Watzke: „Wir sind eine internationale Marke“

Der BVB fliegt mit seinem eigenen Carrier zum Champions-League-Finale nach London. Für Klubchef Hans-Joachim Watzke ein Beweis für das neue Gewicht des Vereins.

Vor dem Champions-League-Finale in Wembley wird in London ein besonderes Flugzeug landen. Wer darin sitzt, lässt sich schon von außen erkennen. Die Maschine der Fluggesellschaft Turkish Airlines wird nämlich in den derzeit sehr präsenten Farben Schwarz und Gelb bemalt sein – aussteigen wird also die Mannschaft von Borussia Dortmund. Eine der zwei besten Mannschaften Europas, auf dem Weg zum Spiel gegen den FC Bayern München um die Fußballkrone Europas.

Bild: Turkish Airlines

Borussia Dortmund hat sich mit Turkish Airlines nun seinen eigenen Luftchauffeur geangelt. Die Fluggesellschaft wird Premium-Partner des BVB. Die Partnerschaft dauert drei Jahre und bringt den Dortmundern kolportierte zwei Millionen Euro im Jahr. Turkish Airlines fliegt den BVB in Zukunft zu internationalen Spielen oder ins Trainingslager. Im Gegenzug bekommt die Airline neben Werbebanden im Dortmunder Stadion auch eine eigene Lounge – und etwas vom Glanz des BVB.

Für Turkish Airlines ist der Deal mit Dortmund das erste große Geschäft in der Bundesliga. Immer wieder kamen in der Vergangenheit Gerüchte auf, dass sich die Fluggesellschaft in Deutschland engagieren wolle. Diverse Trikotsponsorings waren im Gespräch, stellten sich aber immer als Gerücht heraus. Lediglich beim 1. FC Nürnberg wirbt die Airline – allerdings nicht in vorderster Front.

Airlinesponsoring ist in

Dabei drängen Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren immer stärker ins Fußballsponsoring, besonders arabische Airlines haben sich darauf verlegt, bei international erfolgreichen Klubs zu werben: Der Londoner Klub FC Arsenal spielt im Emirates-Stadium, Real Madrid wird ab der nächsten Saison mit derselben Marke auf der Brust auflaufen. Konkurrent FC Barcelona hat für die kommenden Spielzeiten einen Vertrag mit Qatar Airways unterschrieben. Manchester United, bislang mit Turkish Airlines verbunden, wird in Zukunft von der russischen Fluggesellschaft Aeroflot unterstützt.

Die Partnerschaft mit Dortmund, vor allem in der derzeitigen Situation, hat für Temel Kotil besonderes Gewicht. „Borussia Dortmund ist ein sehr leidenschaftlicher Verein, wir begreifen uns ebenfalls als leidenschaftliches Unternehmen“, sagt der Chef von Turkish Airlines.

Abgesehen von allen emotionalen Bindungen zeigt die Partnerschaft aber den Status, den der BVB mittlerweile genießt – sportlich wie wirtschaftlich: Zu den bisherigen Partnern von Turkish Airlines gehörten mit Manchester United und dem FC Barcelona zwei Vereine von Weltrang, als Markenbotschafter sind für die türkische Fluggesellschaft der US-amerikanische Basketballstar Kobe Bryant und der argentinische Weltfußballer Lionel Messi unterwegs.

Nun sagt Kotil über Dortmund: „Das ist unser Verein“ und: „Turkish Airlines will für die nächsten hundert Jahre die beste Fluglinie sein, Borussia Dortmund ist für die nächsten hundert Jahre die beste Mannschaft der Welt.“

Watzke stichelt gegen Bayern

Diese Wertschätzung ist die Übersetzung der Erfolge der jüngeren Vergangenheit. Zwei Meistertitel, ein Pokalsieg nun der Einzug ins Champions-League-Finale – das schlägt sich in gestiegenem Sponsoreninteresse nieder, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu Handelsblatt Online – und es stärkt durchaus das Selbstbewusstsein der Dortmunder: „Wir dokumentieren durch dieses Geschäft auch, dass der BVB mittlerweile eine internationale Marke ist“, sagt Watzke, der die Gelegenheit nutzt, um gegen Bayern München zu sticheln: Gewisse Teile der Republik, in denen man glaube, dass Dortmund eine regionale Sache bleibe, habe man mit dem Deal wohl widerlegt.

Auch seine Antwort auf die Frage, ob die kolportierte Summe von zwei Millionen Euro im Jahr stimme, zeigt, wie bewusst man sich in Dortmund der aktuellen Stärke ist: „Wir würden einem solchen großen Player wie Turkish Airlines gar nicht sagen, dass es extrem günstig ist. Da wären sie beleidigt, umgekehrt ist es genauso“, sagt Watzke. „Borussia Dortmund hat als internationale Marke seinen Wert.“

Doch trotz aller verbalen Kraftmeierei ordnet Watzke das Geschäft als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie in Sachen Sponsoring ein. Mit Turkish Airlines habe man einen Partner gewonnen, der den langfristigen Plan Dortmunds teile. Man müsse nicht jedes Jahr einen Titel gewinnen, aber immer oben mit dabei sein, man müsse arbeiten. Kotil, der die Airline in den vergangenen Jahren stark vergrößert hat, gefällt das. Mit großen Investments in Flugzeuge und neue Zielflughäfen hat er die Fluggesellschaft in den vergangenen Jahren ins Rampenlicht gespielt. Allein in diesem Mai fliegt Turkish Airlines vier neue Ziele in Europa an.

Bild: Laub

Kotil sieht so auch eine Ähnlichkeit zwischen dem Aufstieg der Airline und dem Erfolg des Vereins. Dennoch ist der Vertrag zunächst nur auf drei Jahre ausgelegt. „Das ist zwar keine lange Zeit“, sagt Kotil. Man könne aber trotzdem in den kommenden Jahren viel voneinander lernen, vor allem was das Thema Markenbildung betreffe.

Dabei helfen können Ilkay Gündogan und Nuri Sahin. Die beiden Mittelfeldakteure des BVB haben türkische Wurzeln und dürften für die Airline noch eine wichtige Rolle spielen, ihre Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei zu bewerben.

Vom Dortmunder Flughafen können die beiden allerdings noch nicht in die Heimat ihrer Vorfahren starten. Für die großen Maschinen von Turkish Airlines ist die Landebahn zu kurz, die kleineren Maschinen könnten allerdings durchaus in der westfälischen Fußballmetropole starten und landen. Man mache sich aber bereits Gedanken darüber, wie der Flughafen eingebunden werden könne, sagt Kotil. „Es muss schließlich möglich sein, dass man mit Turkish Airlines hier hinkommt, um den BVB zu sehen.“

Malte Laub für Handelsblatt Online.

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