BVB-Ticketingchef: Viagogo ist nicht besser als Straßenschwarzmarkt

Borussia Dortmund kämpft gegen unerwünschten Tickethandel auf Ebay, Viagogo & Co.. Ein Gesetz könnte den Klubs helfen, sagt der Ticketingleiter des Klubs.

Matthias Naversnik ist Leiter der Ticketabteilung bei Borussia Dortmund. Im Interview erklärt er, welche Möglichkeiten Vereine gegen organisierten Ticketbetrug haben und welche Rolle der Fan selbst dabei spielt.

Quelle: Borussia Dortmund

Herr Naversnik, BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach davon, er sehe bei den Ticketankäufen für das Champions League-Halbfinalspiel Anzeichen für eine „Form der organisierten Kriminalität“. Kaufen Banden gewerbsmäßig die Tickets auf, um sie teurer weiter zu vermarkten?

Es liegen Verdachtsmomente vor, dass gewebsmäßige Tickethändler gezielt Karten unter Verstoß gegen die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen (ATGB) des Vereins bzw. wettbewerbsrechtlichen Vorschriften ankaufen.

Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtete, dass auch Studenten als Strohmänner von einem Tickethändler angeworben werden sollten. Stellen Sie Anzeige gegen solche Personen?

Die Berichte haben wir zu Kenntnis genommen. Soweit eine Beweislage begründbar ist, behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

Nach Ihren Ticket-AGB ist der Weiterverkauf mit Preisaufschlägen von über 15 Prozent unzulässig. Nehmen Sie Stichproben und verweigern Sie Schwarzmarktkäufern den Eintritt zum Spiel?

Ja, wir nutzen bei entsprechend begründeter Beweislage die Handlungsmöglichkeiten unserer ATGB aus, die eine Sperrung von Karten ermöglicht.

Wie läuft es generell: Wird bei Ihren Heimspielen rund um das Stadion der Straßenschwarzmarkt ins Visier genommen?

Der Verein selbst kann nur auf dem eigenen Terrain und auch dort nur bedingt agieren. Das Stadionumfeld wird von den Ordnungsbehörden kontrolliert. Sofern dort Vorgänge beobachtet werden, werden diese auch einer Rechtsverfolgung zugeführt.

Ist Viagogo besser als der Straßenschwarzmarkt?

Nein, beides ist nicht mir unseren ATGB in Einklang zu bringen.

Sie haben über Twitter vor dem Halbfinale dazu aufgefordert, Händler zu denunzieren. Wie war die Resonanz? Und ist schon klar, welche Schritte Sie folgen lassen?

Die Resonanz auf den Twitter-Aufruf war hoch – wir prüfen die Sachverhalte auf Verwertbarkeit. Wenn dem so ist, werden die Käufer und Karten gesperrt.

Sehen Sie auch Ihre Fans und Dauerkarteninhaber in einer moralischen Verantwortung, Plattformen wie Viagogo oder Ebay zu meiden – und der Versuchung zu widerstehen, Profite zu machen?

Ja, dies bringen wir auch vor jedem Kauf der Tickets deutlich zur Geltung. Ein echter Fan würde nie auf die Idee kommen, seine Tickets feilzubieten. Anders herum, wenn der echte Fan beim Kauf leer ausgegangen ist, wird er es auf anderem Wege versuchen. Und genau dies gilt es zu unterbinden. Wer gegen die Geschäftsbedingungen verstößt und dabei erwischt wird, wird als Kunde gesperrt.

Welche Maßnahmen können Klubs generell treffen, um unerwünschten Handel mit Karten zu stoppen?

Sie können ATGB-Verstöße konsequent verfolgen und ahnden. Einfacher für die Vereine wäre es, wenn das gewerbsmäßige Handeln auf Internetauktionsbörsen und Zweitmarktplattformen per Gesetz untersagt würde. Ein personalisierter Ticketverkauf ist eine Möglichkeit, die bei der Einlasskontrolle allerdings nur stichprobenartig überprüfbar wäre. Ab einer bestimmten Größenordnung ist dies nur mit enorm großem personellen Aufwand zu stemmen.

Fakt ist aber, dass ein Markt nur mit Käufern existieren kann. Auch das Image des Vereins spielt eine tragende Rolle. Als Abstiegskandidat, oder wenn nur vor halb leeren Rängen gespielt wird, ist die Nachfrage auf dem Zweitmarkt überschaubar. Günstiger werden die Tickets meist nicht. Solange eine Bereitschaft der Käufer existiert, Unsummen auszugeben, werden die Plattformen wohl nicht sterben.

Ist die DFL aufgefordert, unter den Bundesligisten das Thema Ticketzweitmarkt zu diskutieren und eine allgemeingültige Lösung herbeizuführen? Oder ist der Zug dafür abgefahren, nachdem Viagogo schon zahlreiche Partnerschaften abgeschlossen hat?

Mit der DFL wird das Thema im Kreis der Ticketverantwortlichen seit Jahren diskutiert. Die Entscheidungen liegen aber in der Hoheit der Vereine. Die Entscheidungen und Verträge werden teilweise aus wirtschaftlichen Zwängen der Vereine getroffen. Der Verband kann bestenfalls rechtspolitisch unterstützen.

Herr Naversnik, vielen Dank für das Interview.

Stefan Merx für das Wall Street Journal Deutschland

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