Viagogo: Ich habe heute leider kein Interview für Dich

Viagogo bittet erst zum Interview – und zieht dann zurück mit Verweis auf „Internas“.

Die Ticketplattform Viagogo ist interessiert an großflächiger Medienpräsenz. Doch nicht jede Frage ist genehm. Dies ist die Geschichte eines Interviews, das am Ende nur aus Fragen besteht.

Quelle: PR

Normalerweise ist Viagogo-Manager Steve Roest um kein Statement verlegen. Gerne erklärt er in Vorträgen und Interviews, warum aus seiner Sicht noch mehr Fußballfans den Internet-Marktplatz nutzen sollten, um Eintrittskarten zu kaufen. „Unser Geschäft läuft sehr, sehr gut“, erklärte Roest dem TV-Sender CNBC Anfang Mai. Gerade das Finale der Champions League, das am 25. Mai in London angepfiffen wird, sei aktuell das begehrteste Spiel auf Viagogo. „Die Nachfrage, die wir aus Deutschland für dieses Event sehen, steigt und steigt.“

Wohl um die Vorfreude noch ein wenig mehr zu schüren, wurde in Deutschland die beauftragte Hamburger PR-Agentur Straub & Linardatos aktiv: Am 6. Mai mailte sie Journalisten an – auch JP4 erhielt die Einladung, man möge gerne und eifig fragen. Die Offerte las sich so:

„Ab sofort besteht auf viagogo.de, dem weltweit größten Online-Ticket-Marktplatz, die einzige Möglichkeit, garantiert an Tickets für dieses Top-Event zu gelangen.
Sollten Sie diesbezüglich Fragen haben oder Hintergrundinformationen wünschen, steht Ihnen Steve Roest, Head of European Development bei viagogo, gerne für ein Interview zur Verfügung.

Als zuständige PR-Agentur für viagogo in Deutschland können Sie die Interviewanfragen an uns richten. Wir leiten sie gerne weiter und organisieren einen Termin mit Herrn Roest.“

Die Sache traf sich gut. Viagogo hatte ohnehin noch unbeantwortete Fragen von uns auf dem Tisch. Also schickten wir am 7. Mai diese Mail nach London und Hamburg:

„Ich habe gestern dankend Ihre Interviewaufforderung erhalten und nutze die Gelegenheit gerne, um meine Fragen von Freitag zu wiederholen und um wenige Fragen zu ergänzen.

  • Wie viele Tickets haben Sie über Viagogo schon für das CL-Finale 2013 gehandelt?
  • Wie viele davon gingen nach Deutschland?
  • Können Sie sagen, wo der Durchschnittspreis der verkauften Finaltickets liegt?
  • Werden Sie Karten für das CL-Finale auch wie beim Halbfinale in Dortmund wieder bis zum Anpfiff anbieten? Wenn nein: Wann endet der Verkauf?
  • Ich suche noch nach einer plausiblen Erklärung, wer der Verkäufer der bereits seit Wochen angebotenen VIP Gold / Platinum Hospitality Packages sein könnte. Können Sie sich erklären, wie solche Karten bei Viagogo landen?
  • Bekommt Viagogo als „Classic Partner“ von Bayern München Karten für das Finale überlassen?
  • Wie viele sind das?
  • Wie werden Sie die Karten nutzen?
  • Die Uefa personalisiert die Tickets und kündigt entsprechende Kontrollen an. Sehen Sie Probleme auf Käufer zukommen, die sich auf dem Zweitmarkt ein Ticket kaufen, das auf eine andere Person ausgestellt wurde?
  • Falls Ihren Kunden der Einlass verwehrt wird: Werden Sie denen mit einem Troubleshooter-Counter noch direkt am Wembley-Stadion helfen?
  • Aus Sicherheitsgründen könnte man annehmen, dass die Personenkontrolle in den mit Prominenz gespickten VIP-Bereichen besonders streng sein wird. Halten Sie diese Annahme für richtig?
  • Zur Historie: Wie viele Karten haben Sie für das Finale in München 2012 gehandelt?
  • Planen Sie auch eine Partnerschaft mit der Uefa?
  • Ist ein Börsengang von Viagogo in Vorbereitung oder denkbar?

Beste Grüße!“

Gestern kam die Absage von Straub & Linardatos, ergänzt um ein PR-Zitat:

„viagogo kann leider die meisten Fragen nicht beantworten, da sie Internas beinhalten, die nicht kommuniziert werden.

 Zum CL Finale gibt es aus diesem Grund das folgende Statement:

 „Tausende Menschen auf der ganzen Welt haben bereits viagogo genutzt, um viele der weltweit populärsten Fußballspiele problemlos zu besuchen – von vorherigen UEFA Champions League Finalspielen bis zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine sowie viele weiteren. viagogo-Kunden, die Tickets für das Champions League Finale 2013 in Wembley gekauft haben, können ebenso sicher sein, dass sie ins Stadion gelangen werden.“

Es bleibt somit offen, ob Viagogo selbst im Besitz von Tickets ist. Ebenso unklar ist für potenzielle Käufer, wie genau sie in London an ihre Karten kommen werden. Und unklar auch, ob im Falle der durch die Uefa angekündigte Ticketsperrung (es handelt sich um personalisierte Tickets) Viagogo noch vor Ort sein wird, um Kunden zu helfen.

Wie ein Troubleshooting aussehen könnte? In Barcelona beim Clásico bekamen Kunden im April 2012 dem Anschein nach Bargeld als Kompensation für nicht vorhandene Tickets. Diese eher hemdsärmlige Abwicklung hat ein Youtube-Nutzer hier dokumentiert.

Stefan Merx für JP4

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