HSV-Medienstratege Reckwitz: Im Internet die Deutungshoheit gewinnen

Die Fußball-Bundesligisten bauen immer größere Kompetenz in den sozialen Medien und beim Klub-TV auf. Das Geldverdienen spielt noch nicht die Hauptrolle.

Lars Reckwitz kennt die Kraft der sozialen Medien – von Hype bis Shitstorm. Für den HSV-Bereichsleiter Contentstrategie bergen Twitter, Facebook und das vereinseigene TV-Angebot die Chance, die Deutungshoheit zurückzuerobern. „Eigene Inhalte, eigene Punkte setzen zu können in der Sprache der jeweiligen Adressatengruppe – das ist toll“, sagt Reckwitz im JP4-Interview. „Der Flaschenhals der Drittmedien“, so Reckwitz, könne dank sozialer Medien vom Verein umgangen werden. Damit sinke die Macht externer Print- und TV-Medien, Stimmung zu machen und die Vereinspolitik zu beeinflussen.

Über verschiedene digitale Kanäle steht der Hamburger SV in direkter Interaktion mit den Fans. „Egal, was wir tun: Es wird sofort über die Social-Media-Kanäle kommentiert, und darauf müssen Sie als Verein natürlich Antworten geben“, sagt Reckwitz.

Alleine schon die Spieler, die der Generation Twitter angehören, zwingen die Klubs, sich auf Augenhöhe zu bewegen. Als Beispiel führt Reckwitz eine Situation an, die sich beim HSV tatsächlich abgespielt hat: Ein wechselwilliger Spieler, der zum Medizincheck seines neuen Vereins fliegt, twittert von unterwegs darüber – lange bevor die Transfernachricht offiziell ist. „Während wir als Verein üblicherweise erst dann Kommentare abgeben, wenn es offiziell vollzogen ist, hat diese neue Spielergeneration den Hang, es auch gerne mal vorab zu kommentieren“, sagt Reckwitz.

„Es ist die Möglichkeit, ein Stück Deutungshoheit zu gewinnen. Und nicht nur durch den Flaschenhals der Drittmedien zu kommen. Eigene Inhalte, eigene Punkte setzen zu können in der Sprache der jeweiligen Adressatengruppe – das ist toll.“ –
Lars Reckwitz, HSV

Quelle: HSV

Man müsse sich als Verein entscheiden, ob man in solchen Situationen nachträglich alles geraderücken wolle im Sinne einer Krisen-PR. Nicht zu kommunizieren, geht nicht: „Wie behandeln Sie die B2B-Leute, wie die Fans? Darüber müssen Sie sich Gedanken machen.“ Über die sozialen Medien lasse sich mit den verschiedenen Zielgruppen „ernst, eng, echt und authentisch“  kommunizieren.

Das Motiv, nebenbei auch Geld zu verdienen, etwa über Abomodelle im Klub-TV, spielt bei Bundesligaklubs fraglos immer eine Rolle. Es sollte jedoch nicht zum Hauptmotiv werden, sagt Reckwitz: „Es ist wichtig, dass man es nicht als kommerziellen Kanal begreift. Die Zielgruppe, die insbesondere die Social-Media-Plattformen benutzt, ist heute erfahren mit werblichen Themen.“ Schwierigkeiten drohten immer dann, wenn die kommerziellen Botschaften, etwa von Sponsoren, „einfach nur plump draufgesetzt“ würden. Ein erhoffter Werbeeffekt kann so schnell ins Gegenteil umschlagen.

Dass Werbepartner mit Fans über die Vereinsseite auf Facebook in Kontakt gebracht werden, sei selbstverständlich. Eine Vermarktung von Fan-Adressen finde jedoch in keinem Fall statt. „Das tun wir nicht, es wäre auch nicht das richtige Signal“, betont Reckwitz.

Stefan Merx für JP4

Kommentare (1)

Kommentar hinterlassen


5 × drei =

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen