Wer ist Chef von Viagogo? – Das möchte nicht beantwortet werden.

Der Selbstversuch eines Ticketkaufs über Viagogo warf einige Fragen auf. Auch andere Verbraucher dürften sich interessieren. Doch der Anbieter schweigt.

Quelle: PR

Viagogo hat offenbar die Kommunikation eingestellt. Zumindest JP4-Recherchen zu den Geschäftspraktiken am Ticketzweitmarkt werden ignoriert. Hier die Dokumentation der jüngsten Schweigerunde des nach eigenen Angaben seriösen Anbieters.

 

Diese E-Mail ging am 23.5. an die beiden Viagogo-Kommunikationsbeauftragten sowie in cc die zuständigen Personen der PR-Agentur Straub & Linardatos.

„Hallo Sarah, hallo Steve,*

ich hoffe, es geht Euch gut.

Ich war am letzten Spieltag Viagogo-Kunde in Dortmund. In diesem Zusammenhang sind ein paar Fragen aufgetaucht.
Charly**, den ich auf Anraten von Berti** angerufen habe, wollte mir dazu nichts sagen. Er hat mich an die Communications-Abteilung verwiesen, also da bin ich.

Meine Fragen:

Zur 500-Euro-Strafe:

Nachdem ich den Kauf online getätigt hatte, bekam ich eine E-Mail mit der folgenden, überraschenden Anweisung: „Die Karten müssen unmittelbar nach dem Spiel beim Hotel, wo Sie die Karten abgeholt haben, wieder abgegeben werden!
Bei Nichabgabe oder Verlust müssen Sie unter Umständen für die Kosten der Karten aufkommen, die sich auf bis zu 500 Euro belaufen können.“

Fragen hierzu:

Wieso wird diese Information, dass man die Karten zurückbringen muss, erst nach dem Kauf gegeben?
In den Viagogo-AGB steht davon nichts. Warum nicht?

Als ich die Karte im Ringhotel Drees abgeholt habe, stellte sich das Ticket als Plastikkarte eines Dauerkartenbesitzers heraus (Kaufpreis 187 Euro, Restwert nach Ablauf des 17. Heimspiels 0,– Euro). Um das bereits bezahlte Ticket ausgehändigt zu bekommen, musste ich ein Papier unterschreiben, auf dem stand: „Ich wurde darüber aufgeklärt, die Karte/n unverzüglich nach dem Spiel am viagogo Abholpunkt zurückzubringen und das andernfalls rechtliche Schritte gegen mich eingeleitet und EUR 500,00 Strafzahlung in Rechnung gestellt werden.

Fragen hierzu:

Kassiert Viagogo die 500,– Euro tatsächlich?

Auf welcher rechtlichen Grundlage wird der offenbar pauschale Strafbetrag von 500,–  Euro von Viagogo berechnet?

Ist in der Summe von 500,– Euro Mehrwertsteuer enthalten?

Entschädigt Viagogo den Dauerkartenbesitzer im Falle des Kartenverlustes mit dem Nennwert der Dauerkarte – egal wie viele Spiele noch zu spielen sind?

Was geschieht mit dem Differenzbetrag – in meinem Fall je nach Interpretation 323,– oder 500,– Euro? Verbucht Viagogo das Geld als Windfall-Profit?

Zum Thema Steuern in diesem Zusammenhang:

Wo zahlt die Viagogo AG (Viagogo Ltd, Viagogo SA) ihre Steuern?

So sah meine Rechnung aus:

Ticketzahl: 1
Preis pro Ticket: €28.38
Kosten Tickets (exkl. Gebühren): €28.38
Buchungsgebühr: € 28.38
Bearbeitungsgebühr: €5.87
MwSt.: €0.81
Rabatt: -€0.00
Gesamtsumme: €39.32

Fragen hierzu:
Offenbar wird MwSt. (19%) nur auf die „Buchungsgebühr“ erhoben. Zum Verständnis: Vereinnahmt Viagogo die „Bearbeitungsgebühr“ immer steuerfrei?
Es taucht das Feld „Rabatt“ auf. Wie kommt man bei Viagogo in den Genuss eines Rabattes?

Und noch drei ganz andere Fragen:

Ist Alex Zivoder noch bei Viagogo beschäftigt? [ http://www.viagogo.de/about/team ]***
Wer ist aktuell Managing Director Europe bei Viagogo?
Wer sitzt aktuell im Verwaltungsrat („Board of Directors“) von Viagogo?

Ich würde mich über rasche Antworten freuen, damit ich sie für meinen Text berücksichtigen kann.

Beste Grüße!

Stefan“

Da diese Mail unbeantwortet blieb, schickte ich am 1.6. eine Nachfrage, ob die Mail nicht angekommen sei, ob man nicht antworten wolle oder könne.
Telefonisch erklärte mir die zuständige PR-Beraterin aus Hamburg am 3.6., dass die Mail angekommen sei, aber Viagogo keine weiteren Fragen mehr beantworten werde. „Alle Fragen sind beantwortet, die beantwortet werden möchten“, so die galante Umschreibung des Kommunikationsabbruchs.

Stefan Merx für JP4

* Gleich in der allerersten Begegnung bot Steve Roest, European Business Development Director, freundlicherweise das „Du“ an – mit Verweis auf seine englische Herkunft.
** Die Namen sind JP4 bekannt, wurden hier geändert.
*** Diese Webpage hat Viagogo zwischenzeitlich vom Netz genommen – eine Reaktion auf die Fragen? Derzeit ist Viagogo zumindest im Internet führungslos unterwegs.
Gefeatured wurden auf der Homepage unter „Team“ bis Anfang Juni 2013 noch Eric H. Baker als „Gründer und CEO“ sowie Alex Zivoder als „Managing Director Europe“.

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