Mein Deal mit Viagogo

Wer bei Viagogo eine Karte kauft, muss mit unkonventionellen Praktiken rechnen. Ein Selbstversuch in Dortmund, der fast im Handgemenge endet.

Foto: Merx

Wie organisiert die Ticketbörse Viagogo konkret den Ticketverkauf – und unter welchen Bedingungen erfolgt die Übergabe? Wer nachfragt, bekommt vom Viagogo-Manager Steve Roest kaum greifbare Antworten. „Der Übergabepunkt und die Übergabemethode sind sekundär“, sagte der European Business Development Director von Viagogo im JP4-Interview – und verweigerte anschließend weitere Antworten. Es bleibt der Eindruck: Die Ticketbörse will sich bei ihren Geschäften nicht zusehen lassen – insbesondere nicht von Klubs wie Borussia Dortmund, die Viagogo erklärtermaßen ablehnen und auf einem Niveau mit dem Straßenschwarzmarkt ansiedeln. „Beides ist nicht mit unseren Allgemeinen-Ticket-Geschäftsbedingungen in Einklang zu bringen“, sagte Borussia-Ticketingleiter Matthias Naversnik zu JP4.

Wir haben den Viagogo-Test gemacht und eine Karte gekauft. Dortmund gegen Hoffenheim, 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Eine unbezahlbare Erfahrung hatte Steve Roest angekündigt – und nicht zu viel versprochen. Ein Schauspiel in sechs Akten.

1. Akt: Online-Bestellung

Foto: Merx, Bildschirmoberfläche Viagogo

Wir finden rund 24 Stunden vor Anpfiff des Spiels noch Karten auf dem Portal www.viagogo.de – es geht los bei 22,70 Euro. Ein kleines Symbol in Rot signalisiert beim Überfahren mit der Maus, dass Karten – in diesem Fall die preisgünstigsten –  am Spieltag abgeholt werden müssen. Wo, das ist hier noch nicht klar. Und wie die anderen verfügbaren Karten jetzt noch, also 24 Stunden vor Anpfiff, zugestellt werden sollen, ist auch nicht näher beschrieben. Die Tickets befinden sich wohlgemerkt – nach offizieller Viagogo-Darstellung – im Besitz einzelner Fans irgendwo in der Republik. Es wäre eine logistische Meisterleistung.

Interessant, dass fünf Einzelkarten auf der Stehplatztribüne Süd – der berühmten „gelben Wand“ – für denselben krummen Betrag angeboten werden: Exakt 28,38 Euro wollen fünf verhinderte Fans in den Blöcken 10, 13, 14, 81 und 83 haben. Unabhängig voneinander? Oder ist es ein und dieselbe Person, die diesen Preis gesetzt hat?

Ich wähle Block 13, eine Karte, die zu diesem Zeitpunkt noch für 28,38 Euro annonciert wird und das rote Fähnchen für Selbstabholer trägt. Der Auszahlungsbetrag an den Verkäufer dürfte nach den Viagogo-Bestimmungen nach Abzug von „Verkäufergebühr“ (10%) und der darauf eingezogenen Mehrwertsteuer (19%) noch 25,36 Euro betragen.

Screenshot: mx

Auf Seiten des Käufers kommen noch Zahlungspositionen hinzu: 4,26 Euro „Buchungsgebühr“ (sie entspricht 15% des Nennbetrages) – hierfür verspricht Viagogo in Klammern „Ticketgarantie und  Kundenservice“. Außerdem schlägt eine nicht weiter definierte „Bearbeitungsgebühr“ von pauschal 5,87 Euro zu Buche. Sie scheint nicht der Mehrwertsteuer zu unterliegen, denn die 19% einbehaltene Mehrwertsteuer (hier: 0,81 Euro) beziehen sich rechnerisch nur auf die „Buchungsgebühr“. Gesamtsumme: 39,32 Euro.

Rechts neben dem Rechnungsfenster wird die „Ticket Garantie“ von Viagogo noch so beschrieben: „Ticketzustellung per Internet oder sicheren Kurierdienst“. Die Regeln der deutschen Rechtschreibung spielen bei Viagogo eine untergeordnete Rolle. Sicher ist: Den Kurier macht in diesem Fall der Käufer selber. Gut zu wissen: „Ticket Garantie“ hat sich Viagogo offenbar per Trademark (“unregistriertes Warenzeichen”) schützen lassen. Dann kann wenig schiefgehen.

Anweisung eins: Auf Anweisungen warten.

Auf den eigentlichen Bezahlvorgang – reibungslos über Paypal – folgen Werbeabfragen sowie das Angebot, mit der Lufthansa zum Spiel zu fliegen. Köln-Dortmund, das erscheint wenig zweckmäßig. Die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme, vordergründig vorhanden, scheitert beim Anklicken. Der entsprechende Button führt auf eine Seite www.viagogo.de=“/ContactUs.aspx“, die nicht funktioniert.

Quelle: mx

Spannend wird es bei der ersten E-Mail, die von customerservice@viagogo.co.uk direkt nach dem Kauf eintrifft. „Ihre Karten unterliegen jetzt der Viagogo Garantie“ heißt es. Zum Übergabeprocedere zunächst nur so viel: Ich bekomme „eine weitere E-Mail mit Anweisungen“. Der Käufer, gerade erst fertig mit der Transaktion, wird in der ersten Kontaktaufnahme sofort animiert, selber zum Verkäufer zu werden.

„Und vergessen Sie nicht, haben Sie Tickets übrig, können Sie diese bei viagogo verkaufen.“

Es folgt der Hinweis, dass die Absenderadresse – entgegen dem Anschein – nicht taugt für jedwede Kommunikation. „Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail, da sie keine eingehenden E-Mails annimmt. Wenn sie weitere Fragen haben, kontaktieren Sie uns bitte.“ Klingt einladend, ist aber das Gegenteil. Die Kontaktseite ist eine FAQ-Liste und erlaubt es nicht, eine persönliche Frage zu stellen. www.viagogo.de/About/1035042

Anweisung zwei: Der Käufer wird zum Laufburschen, Strafe droht

Foto: Merx

38 Minuten nach der ersten Mail kommt eine weitere. Nun wird es konkreter: „Tickets stehen zur Abholung bereit. Untenstehend finden Sie alle Informationen, die Sie zur Abholung benötigen“, heißt es. Man solle sich zwischen 14.00 und 15.15 Uhr beim „Ringhotel Drees“ einfinden, um die Karten in Empfang zu nehmen. „Das Hotel befidet sich in der nähe des Stadions“ (sic!). In fetter Schrift wird gewarnt: „Bitte gehen Sie nicht zu den Stadionkassen.“ Der Hinweis ergibt Sinn, denn der Klub droht in seinen Ticket-AGB an, die Teilnehmer solcher Transaktionen zu sperren.

Erstmals ist in dieser Viagogo-Mail auch von einer ganz speziellen Strafe zu lesen – die nicht der Klub, sondern plötzlich Viagogo androht. Originalton: „Die Karten müssen unmittelbar nach dem Spiel beim Hotel, wo Sie die Karten abgeholt haben, wieder abgegeben werden! Bei Nichabgabe oder Verlust müssen Sie unter Umständen für die Kosten der Karten aufkommen, die sich auf bis zu 500 Euro belaufen können.“

Wer dachte, er kaufe bloß eine Karte und könne nach dem Spiel nach Hause gehen, wird also nachträglich eines Besseren belehrt.

2. Akt: Die Kartenübergabe im Raum Neptun

Das Hotel Drees, ein Vier-Sterne-Haus in Familienbesitz. „Wo Gäste zu Freunden werden“, lautet der Slogan über der gläsernen Automatiktür. Aus Viagogo-Sicht spricht vermutlich die Nähe zum Stadion für das Hotel Drees als Übergabepunkt der Karten. Nur der Rheinlanddamm trennt das Hotel vom Signal Iduna Park. 20 Minuten sind einzuplanen für die gut 1,6 Kilometer Fußweg.

Um 14 Uhr soll die Abholaktion am Spieltag, dem 18.5.2013, beginnen. Doch schon eine halbe Stunde vorher wirkt das Hotel wie ein Taubenschlag für BVB-Trikotträger. Taxis stoppen im Minutentakt, warten. BVB-Anhänger kehren ein und tauchen nach wenigen Minuten draußen wieder auf. Theoretisch könnten sie sich mit Fanschals aus der Vitrine neben der Rezeption versorgt haben. Oder die draußen auf der Kreidetafel annoncierten „Gerichte rund um Spargel & Maischolle“ haben kurz vor Anpfiff verlockt. Wahrscheinlicher ist, dass die Trikotträger im Raum „Neptun“ des Hotels geschäftlich zu tun hatten. Tickets werden hier ausgegeben. Es ist der Viagogo-Übergabepunkt in Dortmund, den Steve Roest ungern öffentlich nennt.

Foto: Merx

Die zwei freundlichen Damen an der Rezeption weisen routiniert den Weg. Im Foyer ist zudem an einer Übersichtstafel angeschlagen, welche Gesellschaft heute wo zu finden ist. „Viagogo Limited“ tagt in Raum Neptun. Die restlichen Räume von Orion 1 bis Venus sind belegt von Goldhochzeiten oder runden Geburtstagen. Neptun liegt im Erdgeschoss gegenüber dem Fahrstuhl.

Dort, in einem rund 25 Quadratmeter großen Konferenzzimmer, das regulär für 120 Euro pro Tag zu mieten ist, hat sich Viagogo eingemietet, um die Übergabe abzuwickeln. Seit zwei Jahren, erklärt Hotel-Geschäftsführer Markus Riepe auf JP4-Anfrage, vermiete man eine Räumlichkeit an Viagogo. Das Hotel verfügt selbst nach Angabe von zwei Angestellten über 14 Dauerkarten, die es im Rahmen von sogenannten „BVB-Arrangements“ an die Gäste vergibt – Übernachtung am Spieltag eingeschlossen.

Die Frage, ob das Hotel Drees ein offizieller Partner von Borussia Dortmund sei, verneint Markus Riepe. Auf wen die 14 Karten ausgestellt seien? Das beantwortet der Hoteljuniorchef knapp: „Das sind unsere Karten.“ Viagogo habe für das Hotel zu keiner Zeit als Bezugsquelle für Karten noch als Absatzkanal gedient, so Riepe. Einen Imageschaden für sein Haus befürchte er nicht, sagt Riepe. Eine allzu innige Beziehung zu Viagogo scheint jedoch auch vom Hotelpersonal nicht gewünscht zu sein. „Die haben nur einen Raum bei uns, ansonsten halten wir uns von den Herrschaften fern“, sagt eine Dame an der Rezeption. „Wir sind nur Mittel zum Zweck.“

Punkt 14 Uhr, die verabredete Zeit. Schon eine kleine Schlange hat sich gebildet vor der Tür mit dem Guckloch. Eine Handvoll Leute warten vor dem Raum Neptun, einige sprechen Englisch oder Polnisch. Ein Vater mit zwei Kindern ist dabei, eine junge Frau aus Taiwan, die in Deutschland studiert, wie sie sagt. Viagogo ist an dieser Stelle auf Diskretion und Einzelabfertigung bedacht: Man wird hereingerufen wie beim Arzt, nachdem der vorherige Ticket-Patient den Raum verlassen hat.

3. Akt:  „Der Nächste bitte…“

Zwei junge Männer, beide sportlich-studentische Typen, sitzen im Raum Neptun: das Dortmunder Viagogo-Serviceteam. Vor sich ein aus drei Holztischen zusammengeschobenes Ensemble, zwei frische Gläser Pils, zudem viele weiße Zettel und Umschläge – und ein Diensthandy mit O2-Nummer, über das die Käufer Kontakt aufnehmen können, falls sie den Treffpunkt nicht finden.

Beide Männer wollen die Kartenübergabe so reibungslos wie möglich abwickeln. Dann soll der Käufer, vor allem jener, der sich bei Eintritt als Journalist vorgestellt hat, möglichst schnell wieder zu Tür hinaus. Ich betrete das Zimmer mit laufender Handkamera, um die Übergabe zu dokumentieren. Auf meine Frage, ob dies möglich sei, lehnen die Viagogo-Mitarbeiter ab. Das bereits entstandene Video der Eintrittsszene wird wunschgemäß unter Aufsicht gelöscht.

Beide geben an, diesen Job nur als Nebenjob zu betreiben – für neun Euro die Stunde. Einer ist bei einer Logistikfirma aktiv, der andere arbeitet nach Abschluss seines Studiums in einem Betrieb der Freizeitindustrie. Beide sind im Ruhrgebiet zuhause.

„Wir sind ganz kleine Fische von dem Ding“, sagt der Logistiker – nennen wir ihn Alex. Man bekomme bei jedem Heimspiel nur eine Liste zugeschickt, die Karten kämen ins Hotel. Dann begänne die Verteilung nach einem Plan, den jemand anders schreibt. Bereitwillig gibt Alex´ Kollege, nennen wir ihn Berti, die Münchener Rufnummer seines Chefs heraus. Der stehe für Fragen zur Verfügung.

Auf die Frage nach dem persönlichen Motiv, für Viagogo zu arbeiten, sagen Alex und Berti, sie seien beide Dortmund-Fans und kämen auf diese Weise an Karten. „Darum machen wir das – und nicht, um irgendwelche Leute abzuziehen.“ Im Gegenteil, sagt Alex. Man erkläre den Leuten immer, dass man auf Viagogo nicht zu früh zugreifen solle, wenn die Preise noch weit oben seien. „Wer die dann kauft, ist selber schuld“, sagt Alex. Die Leute müssten ja auch nicht so viel zahlen, sie tun es ja freiwillig, ergänzt Berti.

Alex erklärt rechtfertigend, dass ein Kunde an diesem Spieltag für 14 Karten des Spiels BVB gegen Hoffenheim nur 587 Euro bezahlt habe – also „unter Preis gekauft“ habe, denn regulär hätten die Tickets 49 Euro pro Stück gekostet. Es komme häufiger vor, dass Kunden unter Nennwert einkaufen könnten.

Meine Karte für den heutigen Tag, die inklusive der Aufschläge 39,32 Euro gekostet hat, bezeichnet Alex als „ein Schnäppchen“. Dass der reguläre Besitzer der Dauerkarte ursprünglich nur 11 Euro für das gebuchte Spiel gezahlt hat (187 Euro für die 17 Heimspiele) – also nur 28 Prozent des Preises – ist offenbar ohne Belang. Man erfährt diese Details auch erst, wenn einem das scheckkartengroße Stück Plastik im Raum Neptun gegen Vorlage des Personalausweises überreicht wird.

Das geschieht nun. Ich bekomme keine Einzelkarte, wie bestellt, sondern eine Dauerkarte in die Hand gedrückt. „Südtribüne, Stehplatz, Block 13“. Der Besitzer – heute offenbar verhindert –  steht mit Klarnamen darauf, nennen wir ihn Dieter. Es ist das letzte Saisonspiel. Dieter müsste schon ein Sammlertyp sein, um nach Abpfiff dieser Begegnung noch Interesse am gelben Plastikteil zu verspüren.

Unabhängig von allen Sentimentalitäten schiebt Alex ein offenbar schon mehrfach über den Kopierer gejagtes Din-A4-Papier über den Tisch, das ich im Namensfeld „in Blockbuchstaben“ auszufüllen und dann zu unterschreiben habe. Darin steht in fragwürdigem Deutsch, was mir droht, falls ich das wertlose Stück Plastik nicht „unverzüglich“ nach Abpfiff wieder ins Ringhotel Drees bringen würde: Was in der zweiten Mail schon als Eventualität angedeutet wird, scheint jetzt Gewissheit zu sein: „Ich wurde darüber aufgeklärt, die Karte/n unverzüglich nach dem Spiel am viagogo Abholpunkt zurückzubringen und das andernfalls rechtliche Schritte gegen mich eingeleitet und EUR 500,00 Strafzahlung in Rechnung gestellt werden.

Von Differenzierungen wie „unter Umständen“ oder „bis zu 500“ wie in der E-Mail tags zuvor ist keine Rede mehr. Ich solle jetzt endlich unterschreiben, drängt Alex zur Eile.

Foto: Merx

Die pauschale 500-Euro-Hauruck-Strafandrohung, die einem von Viagogo eine gute Stunde vor Anpfiff präsentiert wird, mag verwundern. In den AGB steht nichts davon, die Karte war zu Saisonbeginn 187 Euro teuer, nun ist ein Restwert von 11 Euro auf der Karte verblieben. Die Frage nach der rechtlichen Grundlage beantwortet Alex ebenso knapp wie falsch mit: „Steht ja alles in der Mail drin, mehr wissen wir auch nicht.“ Man bekomme diese Zettel nur zugeschickt, das sei der Job.

Ich unterschreibe, um zu sehen, wie diese Geschichte weitergeht. Einen Durchschlag für den Kunden? Fehlanzeige. Ich lasse mir jedoch versichern, dass ich dieses dubiose Straf-Formular später im Austausch gegen die Dauerkarte zurückbekomme.

Ich werde unmissverständlich rausgebeten, außer mir wollen an diesen Tag geschätzt fast 50 andere Kunden die Dienste von Viagogo im Hotel Drees in Anspruch nehmen. „Der Nächste bitte!“ Ich kaufe einen BVB-Schal für knapp 15 Euro. Das Hotel Drees vertreibt original BVB-Merchandising.

4. Akt: Das Spiel

Auch andere Käufer, die das Ringhotel Drees verlassen, sehen den Viagogo-Service mit Distanz. Einer klärt den Taxifahrer auf, der draußen mit laufendem Motor gewartet hat und nun zum Stadion weiterfährt: „Viagogo, das ist mehr oder minder halblegal, aber verhasst. Deswegen muss man auch in so ein Hotel reinspringen.“ Drinnen säßen „zwei Jungs, jeder hatte schon ein Pils oder zwei“. Jetzt kämen sie mit den ganzen Nummern durcheinander, deshalb habe es ewig gedauert.

Foto: Merx

Rings um das Stadion dörrt der Straßenschwarzmarkt, an vielen Stellen wird mit Tickets gewunken. Die Preise sind im Keller, es gibt Karten im Überfluss. Der teure Weg über Viagogo wäre nicht nötig gewesen, aber wer ahnt das schon? Ein fliegender Händler an den Bahngleisen ruft einem anderen zu: „So eine Scheiße heute!“ Das Geschäft kommt nicht in Gang. Im letzten Saisonspiel geht es für den Vizemeister Dortmund um nichts mehr. Für den Gast, die TSG 1899 Hoffenheim, geht es zwar gegen den Abstieg, doch nur wenige Anhänger aus dem Kraichgau sind dabei.

Das Viagogo-Ticket für den Block 13 bereitet am Einlasspunkt kein Problem.

5. Akt: Auf Wiedersehen in der Pilsstube

Brav trete ich unverzüglich nach dem Spiel – Dortmund verlor 1:2 gegen Hoffenheim – den Rückweg vom Stadion zum Hotel an. Was wäre, wenn ich andere Pläne hätte? Eine Mitfahrgelegenheit vom Stadionparkplatz oder ein Zug, den ich dringend erreichen muss? Viagogo hätte meinen Zeitplan überraschend durcheinandergewürfelt. Nach dem Spiel ist schließlich nach dem Spiel.

Überraschung beim Eintreffen im Raum Neptun: Niemand ist mehr da, um meine Karte entgegenzunehmen und mir zu helfen, die 500-Euro-Strafe abzuwenden. Nur die Biergläser von Alex und Berti stehen trocken auf dem Tisch. Eine Hotelbedienstete weiß Rat: „Die Herren von Viagogo sind in der Pilsstube.“

Ein paar Treppen runter, Volltreffer. Da das Ringhotel Drees über eine Kellerbar verfügt, müssen sich die Viagogo-Mitarbeiter bei den Aftersales-Aktivitäten nicht langweilen. Alex und Berti lassen es sich gut gehen bei Kaltgetränken, man findet die Viagogo-Crew am Dartautomaten. Die Formulare liegen nun zwischen Bierdeckeln. Schneller noch als am frühen Nachmittag kommt die Unterhaltung auf Touren. Alkoholgeschwängerte Atmosphäre, alles inklusive. Fast wie von Fan zu Fan.

Alex vermutet beim Wiedersehen bei Partymusik, ich hätte nichts anderes zu tun, als jungen Menschen einen reinzuwürgen, was ich verneine. Er sagt, während das Bundesligaspiel lief, hätten Berti und er „einiges rausgefunden“ über mich. „Ich habe Ihre ganzen Daten“, sagt er. Es soll möglicherweise einschüchternd klingen. „Sie haben überhaupt keine Chance“, sagt er.

Es entzündet sich ein Disput. Anders als vorhin besprochen, will das Duo nicht mehr das 500-Euro-Formular herausgeben, auf dem Personalausweis-Nummer und Geburtsdatum vermerkt sind – im Tausch gegen die nun vollends nutzlose Dauerkarte. Den Drohzettel samt Personaldaten bekomme niemand wieder, sagt Berti. Stattdessen solle ich mit einer handgeschriebenen Rückgabebestätigung zufrieden sein.

Foto: Merx

Mitten im Streit um Formulare führt der zunehmend aufbrausende BVB-Fan Alex ausgerechnet Bayern München und Schalke 04 als Viagogo-Partnervereine an. Die Beispiele zeigten, dass es sich um ein „erlaubtes Konzept“ handle. Dass die Transaktionen in Dortmund dennoch fast konspirativ in Hotelzimmern und Bars abgewickelt werden, scheint Alex nicht zu beeindrucken. Er sagt, auch Borussia Dortmund werde mit Viagogo kooperieren. „Irgendwann wird es so weit kommen“, glaubt er.

Dann wird es fast handgreiflich. Als ich die Dauerkarte und den Rückgabezettel für einen Moment zeitgleich in den Händen halte, ist in der Pilsstube des Hotel Drees offenbar Gefahr im Verzug. Alex greift mir in den Arm, hält mich fest und ruft Berti: „Stopp, hallo, nimm ihm die weg.“ Der wiederum fährt Alex an, er solle mich wieder loslassen. Offenbar ahnt der clevere Berti, dass ein Handgemenge um eine wertlose BVB-Karte nicht allzu gut passt zum vordergründig sauberen Image der Firma.

6. Akt: Einige Erkenntnisse, einige Fragen. Doch Viagogo kneift.

Nach dieser Aufführung bleiben einige Fragen zu den Geschäftspraktiken offen. Vor allem die pauschale Strafgebühr lässt grundsätzliche Fragen aufkommen, nicht nur wegen ihrer Legitimität, sondern auch: Was macht Viagogo eigentlich mit den 500 Euro? Bekommt der frühere Dauerkarteninhaber das Geld zugeschoben – als Trost für das wertlose Plastiksouvenir? Teilt man sich die Beute unter Freunden irgendwie gerecht auf? Werden ein paar mehr Bier davon bestellt in der Pilsstube? Ist die Mehrwertsteuer schon inklusive? Und bei welchem Finanzamt meldet Viagogo eigentlich ganz generell seine Einkünfte, die das Unternehmen in Deutschland erzielt?

Ein Blick in die Viagogo-AGB offenbart unter 5.2, Untertitel “Verstöße, Beendigung und Ausschluss”, einen kruden Satz, der klingt wie ein selbst ausgestellter Freifahrtschein: “Wir behalten Uns das Recht vor, Maßnahmen zu ergreifen, die Wir nach unserem eigenen Ermessen für angebracht halten“. Ist das vielleicht sogar der Nukleus des Viagogo-Geschäftsprinzips?

All diese Fragen versuchten wir mit dem angeblich zuständigen Viagogo-Manager in München im Gespräch zu klären.

Bertis Vorgesetzter mit der Münchener Festnetznummer, nennen wir ihn Charly, meldet sich zwar am Telefon und bestätigt die Vermutung, dass er nicht in München sitzt, sondern in London, will aber inhaltlich nichts sagen. Charly sagt, er sei über mich schon informiert worden, ich solle mich an die PR-Abteilung wenden.

Quelle: PR

Folgsam wenden wir uns am 23. Mai 2013 per E-Mail an Viagogos PR-Agentur in Hamburg und gleichzeitig an die Kommunikationsabteilung in London – insgesamt vier Personen. Es gibt keine Antwort, keine Eingangsbestätigung. Eine Woche vergeht. Dabei kreisen die Fragen um eigentlich simple Themen:

Auf welcher rechtlichen Basis operiert Viagogo?
Wo zahlt Viagogo Steuern?
Wer sitzt aktuell im Top-Management?

Eine Dokumentation der Fragen ist hier zu finden.

Tage später kommt ein Telefonkontakt zustande mit der PR-Dame in Hamburg und dem Agenturchef. Auf Antworten müsse JP4 nicht mehr warten. Der Grund klingt niedlich: „Alle Fragen sind beantwortet, die beantwortet werden möchten.“

Stefan Merx für JP4

Hinweis: Wir haben am 12.6.13 (16:51 Uhr) vier Fotos entfernt und den Text geringfügig modifiziert auf Wunsch von Markus Riepe, Juniorchef des Hotel Drees. Er hat uns nochmals darauf hingewiesen, dass das Hotel Drees keine über den üblichen Hotelvertrag hinausgehende geschäftliche Beziehung zum Unternehmen Viagogo unterhält.  In Zukunft werden Kartenübergaben von Viagogo nicht mehr im Hotel Drees stattfinden. „Wir haben heute entschieden, Viagogo ab der kommenden Saison keine Räumlichkeit mehr zur Verfügung zu stellen“, sagte Riepe in einem Telefonat mit JP4.

Kommentare (59)

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    Philipp

    “das wertlose Stück Plastik “, “Dieter müsste schon ein Sammlertyp sein, um nach Abpfiff dieser Begegnung noch Interesse am gelben Plastikteil zu verspüren.”

    Erstmal vielen Dank für die weitere Aufdeckung der Geschäftspraktiken von ViaNOgo. Auch wenn ich diese Firma und ihre Geschäftspraktiken genausowenig gutheisse wie sie es tun, finde ich ihre Aussagen zum Thema DK absolut daneben. Auch ich habe eine Dauerkarte und ich hebe ALLE! Karten auf, man muss keine Sammler sein um “dieses wertlose Stück Plastik” nicht wegzuwerfen, allein langjähriger Fan genügt an sich schon.

    Bitte solche Kleinigkeiten abstellen, dann wäre der Artikel für mich ne 1+!

    Gruß
    Philipp

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    Stefan Merx

    Hallo Philipp,

    danke für den Kommentar. Richtiger Punkt, dass die Dauerkarten einen oft hohen Erinnerungswert haben. Mit der spitzen Formulierung wollte ich klar machen, dass monetär – und nur darum geht es ja Viagogo mit der willkürlichen Strafandrohung – nach Spieltag 34 mit der Karte nichts mehr los ist.

    Übrigens: Eine verloren gemeldete Dauerkarte kann in Dortmund gegen 25 Euro Gebühr beim BVB nachbestellt werden. Für verlorene Dauerkarten im begehrten Block 13 gibt es allerdings wegen Missbrauchsfällen keinen Ersatz.

    Gruß
    Stefan

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    Uwe

    Hallo Stefan, schöne Arbeit! Habe mich immer schon gefragt, wie das mit der Übergabe in der Praxis so abläuft. Um es selber auszuprobieren, war mir mein Geld letztendlich aber doch zu schade. Der Taxiverkehr vor dem Drees war mir übrigens auch schon aufgefallen. Schon interessant, was da quasi vor den eigenen Augen so abläuft!

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    Sebastian Reising

    nund die Sache mit den DK´s ist folgende: Dauerkartenbesitzer haben ein vorzugsrecht beim Kauf einer DK für die folgende Saison gerade in der Südtribüne gibt es egtl. keine freien DK sondern. Nun nehmen wir folgendes Beispiel XYZ hat ein DK ist aber kein BVB Fan sondern nur mitglied der viagogo masche bei 30€ Profit für n Spiel gegen Hoffenheim (ich denke bei spielen wie gegen S04 verdoppelt sich dieser sogar) kann er durch aus mit 500€ und mehr pro Jahr rechnen, Zwar aufs verhält nis nicht mal 2€ pro Tag aber rentiert sich durch den nicht vorhandenen Aufwand. Wenn XYZ aber 4 mal in einer Saison seine DK “verliert” dann wird der BVB den BRaten durchaus riechen und das vorzugsrecht ist futsch.

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    daniel

    Ich hoffe nur das bei dem lieben Geld nicht bald noch mehr Vereine einknicken und ein Deal mit dem legalen Schwarzmarkt machen

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    Hans

    Eine Dauerkarte ist nach der Saison kein wertloses Stück Plastik! Das benannte Stück Plastik wird für jede Saison freigeschaltet. Der Inhaber erhält nicht jedes Jahr eine neue Karte! Würde man keine Rückgabe vereinbaren, müsste der Besitzer die Plastik Karte Sperren lassen und eine neue beantragen. Sowas kostet zwar keine 500 Euro, aber der Bericht ist somit fehlerhaft

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      Stefan Merx

      Hallo Hans,
      guck mal bitte auf meine Antwort von 9:08 Uhr. Die Kritik an “wertlos” kann ich nachvollziehen. Aber der BVB tauscht tatsächlich jede Saison die physische Karte aus, daher auch der Aufdruck “Dauerkarte 2012/2013″.
      Grüße
      Stefan

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    Frank

    Warum sollte bei der Buchungsgebühr keine Mehrwertsteuer anfallen? Kann mir das mal jemand erklären? Wie sagt man so schön “die Nebenleistung teilt das Schicksal der Hauptleistung”. Also nicht, dass viaNOgo am Ende noch den Staat um Steuern bescheisst..

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    M.

    Schon ein merkwürdiges Geschäftsmodell. Allerdings habe ich persönlich auch schon Karten für ein Spiel über viagogo gekauft. Natürlich mit erhöhtem Preis, aber immerhin kamen sie pünktlich per UPS. Würde ich aber, da ich den Schwarzhandel nicht unterstützen möchte, auch künftig nur in absoluten Ausnahmefällen wieder so machen.

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    Volker

    Hallo,

    Erst einmal Hans, eben: Die vereine stellen den fans jedes Jahr eine neue DK aus mit dem jeweiligen Aufdruck der Saison. Und danke für diesen Bericht über ja, Mafia kann man schon sagen. Mein Verein Borussia MG hat schon bekannt gegeben das man niemals mit viagogo zusammen arbeiten wird und das find ich klasse, ich verstehe auch die anderen Vereine nicht die es schon machen. Sportinside hat ja auch schon über viagogo berichtet und man hat alles von deren seite aus, alles schön geredet.

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    Tino

    Natürlich ist die Dauerkarte faktisch “wertlos” nach der Saison.
    Und selbstverständlich erhält man jedes Jahr eine neue physische Karte.
    Der Bericht ist dementsprechend auch nicht fehlerhaft.

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    Christian

    es ist schon toll. da wird in den kommentaren rumgeheult, dass möglicherweise die wertvollen sammlerstücke “dauerkarte” verloren gehen. gleichzeitig scheinen deren besitzer aber keine probleme zu haben, die dinger zu überhöhten preisen an fremde zu “verleihen”. meine dauerkarte würde ich nur an freunde und bekannte weitergeben, zum ticketeinzelpreis natürlich!

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    Bayernbetti

    Hab vor Jahren mal Tickets für ein Bayern-Spiel über Viagogo gekauft. Die Abwicklung war unkompliziert, Tickets konnten direkt am Stadion abgeholt werden. Die Gebühren waren bei ca 15% des Originalpreises. Insgesamt OK. Mittlerweile sind die Gebühren aber so hoch, dass sich der Kauf über Viagogo definitiv nicht lohnt – da kann man auch auf eBay kaufen.. Volle Abzocke. Schade, dass der Ticketverkauf über diese Fa nach wie vor vom FC Bayern gestützt wird.

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    Jack

    Hatte auch schon BVB-Tickets über Viagogo gekauft, allerdings per Versand.
    Übergabe riecht immer nach “Dauerkarten-Bereitstellung”. Das sollte man sich nur antun, wenn man wirklich keinen anderen Weg mehr findet.
    Aber per Versand lief bislang alles perfekt und komplikationslos.
    Leider geht das in diesem Artikel nicht wirklich hervor.

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    Raffael Jacobs

    Viagogo ist für mich der größte halblegale Schwarzmarkt im Internet. Wenn Vereine mit solchen kriminellen zusammen arbeiten dann sind diese Vereine auch Handlanger.

    Für mich gehört dieses Portal gesperrt und Vianolegal endlich gesperrt. Da gucke ich lieber Fußball in einer Kneipe und vertrinke das Geld als es solchen Verbrechern in den Rachen zu schieben!!!!

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    Nüchtern Betrachtet

    Aus Fansicht ist das alles sicher ärgerlich, wenngleich niemand gezwungen wird diesen Dienst in Anspruch zu nehmen.

    Die abschließenden Fragen sind unabhängig von der Reportage ziemlich einfach zu beantworten:

    Auf welcher rechtlichen Basis operiert Viagogo? -> Die Tätigkeit dürfte am Unternehmenssitz NICHT zulassungspflichtig sein. Insofern operiert Viagogo auf derselben rechtlichen Basis wie der Kiosk um die Ecke ;-)

    Wo zahlt Viagogo Steuern? -> Am Unternehmenssitz bzw. in dem Land in dem die Umsätze getätigt werden. Aller Voraussicht nach existieren weltweit diverse Gesellschaften, die nach dem Vorbild von Google, Facebook, Amazon & Co. über Lizenzverträge die Gewinne dorthin “transferieren”, wo die Steuerbelastung am Geringsten ist.

    Wer sitzt aktuell im Top-Management? – http://en.wikipedia.org/wiki/Viagogo

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    Ergänzungsspielr

    Moin. Schöner Bericht.

    Würde den Deal mal schön zum ersten Spiel der neuen Saison machen und die Karte einfach behalten.

    Es würde mich doch sehr wundern, wenn die Art und Weise wie die € 500 Strafe kommuniziert wird auch nur annähernd gerichtsfest wäre.

    Dann die Karte zum nächsten Heimspiel verwenden und sich in aller Ruhe den aufgewirbelten Staub ansehen.

    Viagogo scheint tatsächlich eine seltsame Firma zu sein ABER – die eigentlichen Täter sind die Spacken, die Ihre Dauerkarte vergolden möchten.

    Wenn es sein muss geht meine Dauerkarte für Kumpels ersten Grades für einen Abbelwein über den Tisch, Kumpels zweiten Grades zahlen den original Tagespreis und Endepeng.

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      Philipp

      Wenn du die Karte behälst wird der Eigentümer die Karte sperren lassen (in Zeiten der elektronischen Einlasskontrolle ohne Probleme machbar), 25 EUR beim BVB zahlen und eine neue DK erhalten. Die stehst dann am nächsten Spieltag am Drehkreuz und kommst nicht rein. Was auf dem Display jedoch angezeigt wird, kann ich dir nicht sagen, könntest evtl. Probleme bekommen wenn dann der Balken rot aufleuchtet und auf dem Disply “Karte gestohlen” zu lesen ist… Die Grün-weißen Freunde stehen in der direkten Nachbarschaft. Nicht auszudenken wenns dafür dann auch noch Stadionverbot gäbe…

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        Andreas

        Dafür gibt’s garantiert Stadionverbot, aber für denjenigen, der die Karte bei Viagogo eingestellt hat…. Wobei, “Stadionverbot” ist der falsche Begriff – die Person wird mit einem Stadionkaufsverbot belegt und darf für 1-2 Jahre keine Tickets mehr kaufen. Die Dauerkarte wird ohne Erstattung des Kaufpreises storniert. Vorverkaufsrechte verfallen.

        So ist’s zumindest bei anderen Vereinen. Da Dortmund mit am drakonischsten gegen Schwarzmarkthandel vorgeht, wird’s dort ähnlich sein.

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    Nico

    Hallo Stefan,

    ein wirklich super Bericht, der gerade die Runde in den bekannten BVB-Foren macht! Danke dafür.

    Zu deinem Kommentar bzlg. verloren gegangener Dauerkarten für den Bl. 13 (und auch 12):
    Man bekommt schon wohl eine neue Dauerkarte ausgestellt (gegen 25€ Gebühr), wenn man seine Karte aus Bl. 12/13 verliert (oder es zumindest behauptet). Diese liegt dann aber in einem Bl. im Oberrang der Südtribüne, damit der Blockschmuggel unterbunden wird.

    Gruß Nico

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    JMK

    Geschäftsführer Europa ist Alex Zivoder
    Alexander Rimer ist Vorsitzender des Verwaltungsrats

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    Dominik Ratzinger

    Toller Artikel. Richtig gut recherchiert – von vorne bis hinten interessant verfasst

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    Norman

    Moin Stefan,
    bei unserem FC St. Pauli gibt es schon ewig eine Ticketbörse bei der man Karten zu normalen Preisen vorm Spiel bekommen kann.
    Es handelt sich hierbei um Karten von verhinderten Dauerkarteninhabern.
    Auch diese sind natürlich nach dem Spiel wieder abzugeben.
    Funktioniert also auch ohne Zwischenhändler !!!!!
    Guck Dir das mal an und berichte darüber.
    Ist mit Sicherheit nachahmenswert !
    Forza

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      Philipp

      Beim BVB gibt es das Kartenforum der Fanabteilung. Hier ist es sogar VERBOTEN Karten zu mehr als Originalpreis + evtl. Versandkosten zu verkaufen. Für DK Südtribüne gilt meine ich ein fester Satz (12 EUR oder so).

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    Julian

    Es klingt vielleicht rabiat, aber im Dienste des guten Journalismus hätte ich einen geeigneten Vorschlag: Einfach mal die Dauerkarte mit nach Hause nehmen – insbesondere nach dem LETZTEN Spiel.

    Was wollen die denn machen? Ihre 500€-Drohung durchsetzen? Das kommt dann in die Presse und gibt ein ganz negatives PR für viagogo und kann in einem Zivilprozess ausarten, den viagogo mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit gewinnen könnte.
    Wenn viagogo aber Strafanzeige wegen Diebstahl erstellen würde, hätten sie zwar Chance auf eine Verurteilung; vorausgesetzt der Staatsanwalt lässt die Anzeige nicht wegen Geringfügigkeit kippen. Andererseits wäre das Strafmaß bei einer Verurteilung für ein Stück wertloses Plastik recht gering.

    Das größte Risiko bleibt aber jedoch bei viagogo, dass dadurch es bei denen eventuell deutschlandweit zu Razzien durch das Finanzamt führen könnte.

    Meine 2 Cents dazu.

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    Tombstone

    Das was Norman beschreibt, gibt es meines Wissens bei uns in Köln auch: Nur, dass man da auch nichts wieder abgeben muss. Die Dauerkarten in Köln werden jeweils automatisch für die nächste Saison verlängert, wenn nicht vorher widersprochen wird. Man behält also die Plastikkarte und sie wird immer wieder für die neue Saison freigeschaltet. Ist man jetzt für ein einzelnes Spiel verhindert, kann man sich an die Ticketbörse vom 1. FC Köln wenden. Die Karte wird dann glaube ich für dieses Spiel gesperrt und man erhält den anteiligen Gegenwert. Der Käufer zahlt den normalen Preis und erhält ein Papierticket für dieses Spiel. Eigentlich eine gute Lösung – zumindest aus Vereins- und Käufersicht.
    Den Weg über Viagogo wählt in diesem Fall also nur ein Verkäufer, der an der Sache verdienen will. Das wäre ja noch ok, wenn es nur um einzelne Spiele ginge. Aber wenn jemand sich eine Dauerkarte nur verschafft oder diese hält, um die Einzelspiele über Viagogo zu verhökern und damit Reibach zu machen, finde ich das bedenklich – zumindest moralisch.

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    Janik

    Viagogo? -BUUUUUUH!!!
    JP4Sport? -YEEEEEAAAAHH!!!

    Danke für diese schöne und ausführliche Aufklärung über dieses Unternehmen

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    Raffaela Glocker

    Herzlichen Dank an den Autor für diesen gleichermaßen schockierenden wie aufschlussreichen Bericht. Nachdem ich bislang davon ausgegangen war, dass es sich bei dieser Firma um “bloßen Ticket-(Weiter-)Verkauf” zu überhöhten Preisen handele, stelle auch ich mich nun auf die Seite all jener, die gegen jedwede Zusammenarbeit von Fußballvereinen und allen anderen Veranstaltern mit dieser zwielichtigen Agentur eintreten. Unglaubliche Geschäftspraktiken sind dies, und es bleibt zu hoffen, dass es damit bald ein Ende haben wird. Hoffentlich lesen möglichst viele Menschen diesen Artikel!

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    vianogo

    Schöner Bericht!

    Tipp fürs nächste mal:

    Karte mitnehmen und nach dem Spiel als gestohlen melden (wird nie aufgeklärt werden bei 80.000 Zuschauern im Dortmund).

    Denke dass, falls vianogo wirklich die besagten 500€ fordert, sie viel Spaß mit der Versicherung haben werden :)

    LG

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    Raffaela Glocker

    “Tipp fürs nächste mal:

    Karte mitnehmen und nach dem Spiel als gestohlen melden (wird nie aufgeklärt werden bei 80.000 Zuschauern im Dortmund).

    Denke dass, falls vianogo wirklich die besagten 500€ fordert, sie viel Spaß mit der Versicherung haben werden”

    Das ist in der Tat eine von vielen möglichen Varianten, um diesem unsäglichen Treiben ein Ende zu bereiten. Alternativ bestünde die Möglichkeit, die Polizei hinzuziehen, zumal der Bericht ja nahelegt, dass es neben äußert fragwürdigen Geschäftsgebaren durchaus auch zu – psychischem sowie physischem – Zwang kommen kann.

    Ich hoffe, dass dieser tolle Bericht eine Lawine lostreten wird!

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    Raffaela Glocker

    Aufschlussreich auch dieser SPIEGEL-Beitrag:

    http://www.spiegel.de/video/internet-tauschboersen-kein-einlass-mit-dem-viagogo-ticket-video-1142289.html

    “Die Online-Plattform Viagogo sieht aus wie eine Vorverkaufsstelle für Musikkonzerte und Fußballspiele im Internet. Ist sie aber nicht. Die englische Firma ist nur der virtuelle Treffpunkt, an dem Kartenverkäufer und Käufer einen Deal abschließen. Und hinterher ist der Käufer oft der Dumme: Denn auf Viagogo erstandenen Tickets sind offenbar oftmals nicht nur überteuert, sondern auch noch ungültig. (07.08.2011)”

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    Kevin K.

    Interessant, dass Bayern München einen Link zu diesem Artikel auf Twitter retweetet hat.
    Insgesamt sehr lesenswert und lehrreich, vielen Dank dafür! Hätte noch spannender werden können, wenn Sie mit Rückgabezettel und Dauerkarte einfach mal die Flucht ergriffen hätten.
    Interessant wäre auch ein zweiter Selbstversuch, in dem Sie als Verkäufer auftreten.

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    BMG

    Moralisch finde ich das ganze auch nicht ok und würde das wohl auch nie machen. Habe eine DK bei BMG und verleihe diese meist kostenlos, wenn ich verhindert bin an Freunde und Familie.

    Allerdings leben wir in der freien Marktwirtschaft. Da kann ich meinen Wagen auch an den Meistbietenden verkaufen. Warum nicht mein Ticket?

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    Björn

    Mitgründer und Aktionär mit 5% Anteilen an Viagogo ist übrigens Barca Präsident Sandro Rossell. Allerdings gab es hier in Spanien nur einen sehr dezent kleinen Aufschrei darum und wird eigentlich gar nicht thematisiert.. Wenn dann auf Katalanischsprachigen Seiten wie:
    http://www.racoblaugrana.com/entorn-barca/viagogo-final-copa-rei-barca-madrid/ (hier geht es um das Pokalfinale vor 2 Jahren)
    http://www.racoblaugrana.com/noticies-barca/sandro-rosell-te-el-5-d%C2%B4una-empresa-que-reven-entrades-del-barca-madrid/ (Rossell: 5% Anteile einer Firma, die verteuerte Karten fürs Pokalfinale vertreibt, für das Pokalfinale; Rossell verdient also an den Anhängern seines eigenen Clubs mit Schwarzmarktpreisen)

    Auch diese Seite, diesmal auf Spanisch schreibt über die Viagogomethoden bei einem Michael Jackson Konzert und den Zusammenhang mit Rossell…:
    http://latrasparenciadesandrorosell.blogspot.com.es/2012/09/viagogo-altamente-inmoral.html

    Bei Sandro Rossell ist das nicht weiter verwunderlich, da gibts noch ne Menge Skandale, die eher defensiv behandelt werden…

    Grüße aus Barcelona,
    Björn

    ps:Falls Übersetzung gefragt ist helfe ich gerne weiter ;)

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    "Strohmann"

    Eine weitere Recherche bezüglich des Dauerkartenbesitzers wäre interessant. Wir gehen davon aus dass er wirklich ein einzelner Dauerkartenbesitzer ist und sich mit Viagogo etwas dazuverdienen möchte. Was aber wenn man herausfindet, dass es Dauerkartenbesitzer gibt, die diese nur zum Zweck der Weitergabe per Viagogo haben bzw. sogar Dauerkarten von diversen Bundesligisten besitzen…
    Und welche Rolle Viagogo dabei spielt, wirklich nur die des Vermittlers?

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    Optimistthomas

    Kann die Kritik als Viagogo-Kunde mit sowohl Verkäufer- als auch Käufererfahrung nicht teilen:

    1. Als Verkäufer finde ich es prima, wenn ich meine Karte – über meinen privaten Verteiler hinausgehend – verkaufen kann, wenn ich verhindert bin, ohne das ich vor Ort aufschlagen muß.

    2. Als Käufer finde ich es prima, wenn ich – wie bei E-Bay, wenn ich per PayPal bezahle – eine Garantie habe, daß ich eine gültige Karte habe und nicht – wie bereits einmal geschehen – vor einem Stadion abgewiesen werde.

    Am Wichtigsten ist jedoch, daß keiner gezwungen ist, über Viagogo zu verkaufen oder zu kaufen.

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    Sebastian

    Hallo,

    wurde denn auch mal eine Anfrage an das Finanzamt gestellt, wie die Praktiken dieses Geschäftes denn nun wirklich versteuert werden. Es klingt in der Tat sehr dubios, das wäre sicherlich noch ein Punkt dem im Nachklang definitiv nachgegangen werden sollte.

    Die Strafandrohung (ich bin kein Jurist) klingt mir aber als nicht haltbar. Es kann schließlich NACH der Abwicklung eines Geschäfts für eine Einzelkarte (nicht Dauerkarte) nicht verlangt werden, diese wieder zurückzubringen.

    Es klingt für mich mehr nach einer haltlosen Einschüchterungstaktik. Spanned ist ja viel mehr, was passieren würde, wenn Dauerkarten (die als Einzelkarten verkauf würden) bei dem Verein als “über den Schwarzmarkt verkaufte Karten” angezeigt würden, diese womöglich die Karte dahingehend einbehalten würden (als eine Art Beweismittel) und der Dauerkartenbesitzer gesperrt würde.
    Ich denke, dass dies möglicherweise eine der Sorgen sein wird.

    Viele Grüße

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    Flo

    Es ist doch jedem selbst überlassen wo er sein Tiket kauft. Ich bestelle jetzt schon seit 5 Jahren bei Viagogo und bin zufrieden. Ich bin froh das es seuch einen Tiket Anbieter gibt. mfg fussballmachtderdfb

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    Sportmedium

    Danke für den Bericht. Gut geschrieben und sehr informativ. Das ist natürlich schon ein Ding mit den 500 Euro. Dazu wurden auch die richtigen Fragen aufgeworfen: Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass von den 500 Euro für 25 Euro dem Besitzer eine neue Dauerkarte bestellt würde und vianogo 475 Euro als Gewinn einstreicht

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    Nico

    Eine interessante Story. Abgesehen von den Preisen spiegelt sich in der Vorgehensweise viagogos allerdings genau das wieder, was jeder Dauerkarteninhaber tun würde, um seine nichtgenutzte DK weiterzugeben.

    Dort, wo viagogo offizieller Partner des Vereins ist, immerhin bei 9 Vereinen, wird dieser Übergabeprozess durch einen Neuausdruck des Tickets ersetzt und die Dauerkarte elektronisch für das Spiel gesperrt.

    Kritik an viagogo ist in weiten Teilen gerechtfertigt. Der Kundenservice und die Transparenz liegen im Argen. Aber: in meinen Augen konzentriert sich der Ärger über den Schwarzmarkt allgemein, die Preise auf dem Schwarzmarkt und der Ärger über eine ungerechte Verteilung von Tickets einzig auf viagogo. Eine Kritik, Proteste und ähnliches gegen ebay oder Leute, die vor den Stadien Tickets in die Luft halten, wo mit Sicherheit noch viel mehr Tickets gehandelt werden, habe ich noch nirgends erkennen können.

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    Torben

    Hallo, ich bin seit vielen Jahren BVB Fan und habe dort bzgl. Tickets auch schon einiges erlebt. Auch schon mal bei viagogo gekauft.
    Diese Vorgehensweise der Abholung hätte ich in keinster Weise akzeptiert. Daher folgende Anregungen für das nächste Mal:

    1. Spiel wirklich total ausverkauft und schwer eine Karte vor dem Stadion zu bekommen: Dokumentieren so gut es geht dass diese Karte bei viagogo gekauft wurde und NACH dem BVB melden. Insbesondere im Falle einer Dauerkarte wird dies sehr drastische Konsequenzen für dessen Dauerkarten Zukunft beim BVB haben. Dauerkarte wird gesperrt und keine neue mehr für die nächste Saison. Habe ich in den letzten Jahren mehrfach so gemacht.

    2. Schwarzmarkt ohne Ende, schon an der Westfalenhalle betteln einen die Händler an bei Ihnen zu kaufen: Zur Clearing Stelle (steht groß dran, u.a. neben dem Süd-West Eingang) gehen, sagen man hätte die Karte bei viagogo gekauft. In der Regel wird die sofort gesperrt. Dann ist sie ungültig. Wichtig ist dass dies gut dokumentiert ist. Dann ein paar Meter zurück, von den Händlern für einen Bruchteil neu kaufen und ins Stadion damit. Nach dem Spiel an viagogo melden und die erstatten dann das Geld. Habe ich letzte Saison so gemacht, hat wunderbar geklappt.

    PS: Für besagtes Spiel gegen Hoffenheim mussten wir aus dem Fanclub 2 Stehplatz Karten verfallen lassen, weil die nicht mal für 5 EUR jemand wollte.

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    BVB

    Super Bericht. Nur ist euch mal nicht aufgefallen, dass der BVB, wenn er den wollte, doch längst mal mit der Polizei oder dem Ordnungsamt im Hotel Dress hätte aufschlagen können.

    Das machen Sie aber nicht, wie ihr ja seht, und das seit ein paar Jahren nicht, der Grund ist bestimmt nicht, dass Sie keine Ahnung davon haben was dort jede Woche vor dem Heimspiel los ist. Ist ja kein Geheimnis, wenn man da ernsthaft was dagegen unternehmen möchte.

    Sie kennen den Treffpunkt und unternehmen nichts.

    Wieso?

    Weil es ihnen am Ende einfach scheiss egal ist! Sie haben die Tickets verkauft und ihren Umsatz gemacht.

    Natürlich tut der BVB so als ob er das bekämpfen will… aber sobald der BVB seine Karten verkauft hat, ist im der Zweitticketmarkt einfach egal.

    Die Ebay Abmahnungen, da kassiert ein Anwalt Geld, kein BVB!

    Daher kann man sich hier wehren solange man will. Solange es die Käufer gibt, die bereit sind diese Preise zu bezahlen, solange wird kein Verein noch sonstwer dagegen ankämpfen können.

    Und vor allem beim BVB.

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    Ein Köln Fan

    Hallo,

    ich finde das ganze Verhalten von Viagogo auch ziemlich daneben. Allerdings möchte ich als Fan und nicht Mitglied des 1. FC Kölns etwas zu bedenken geben, dass mich schon zweimal zu Viagogo getrieben hat:

    Wie schon geschildert, bin ich kein Mitglied des Vereins, sondern eben nur Fan und kann deshalb im Ticket(erst)verkauf erst deutlich später einsteigen, als die Vereinsmitglieder. Mein Vater ist Kaiserslauternfan und wir gehen in den letzten Saisons gerne in den “neutralen” Block zum Spiel Köln gegen Lautern. Allerdings schaffe ich es nie (selbst am ersten Tag des freien Verkaufs an Nichtmitglieder) die Karten für uns zu erhalten, da diese immer vergriffen sind. Da ich mir ansonsten die Spiele auch nur in der Kneipe anschaue, ist eine Vereinsmitgliedschaft auch fiskalisch nicht vertretbar.

    Ich möchte hier keine Lanze für Viagogo brechen, sondern würde mich auch über mehr Fantauschbörsen ohne horende Gewinnerwartungen sehr freuen, aber welche Alternativen habe ich?

    Grüße
    Ein Köln Fan

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      Neersenerborusse

      Gerade als Köln-Fan (muß ich als Gladbacher neidlos zugestehen) gibt es doch über die Kölner Kartenbörse eine gute Möglichkeit. Dort werden die Karten mit einem geringen Aufpreis (Gebühr für den Anbieter) verkauft. Und nachdem ich dort sogar für 2 Spiele gegen Mönchengladbach Karten erhalten habe, gehe ich davon aus, das es wohl auch für Lauternspiele welche geben wird.

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    Ein Köln Fan

    @Neersenborusse: Kannst du mir bitte die Website mitteilen (der beste Kampf gegen Viagogo ist die Veröffnelichtung von besseren Bezugsquellen).

    Ich bin im Übrigen auch glücklich, wenn die Mannschaften der Region auch Erfolg haben, da dies viele gute Lokalderbies fördert.

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    Marc

    Falls das ok ist, ich habe deinen Selbstversuch in meinen Artikel eingebaut, um weiter daraufhinzuweisen, was für Geschäftspraktiken Viagogo bevorzugt…

    http://www.vompunkt.de/vianogo/

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