Telekom bleibt cool im Bundesliga-Poker

Die Deutsche Telekom hält ihre Position im Wettbieten um die Bundesliga-Rechte für juristisch wasserdicht. Der Deutschen Fußball Liga bleibt ein potenzieller Interessent erhalten.

KÖLN. Darf die Deutsche Telekom sich die Fußball-Bundesliga sichern? Eine Studie des Berliner Professors Franz Jürgen Säcker sorgte in dieser Woche für Aufregung: Der Wettbewerbsrechtler wurde in der „Süddeutschen Zeitung“ mit der Auffassung zitiert, die Deutsche Telekom dürfe insgesamt nicht zum Rundfunk zugelassen werden, da sich die Aktiengesellschaft zu gut 30 Prozent in Staatsbesitz befindet. Eine Einflussnahme des Staates auf den Rundfunk könne so nicht ausgeschlossen werden. Daher sei die Deutsche Telekom „nicht rundfunkfähig“. Sei der Staat an einem Unternehmen beteiligt,“ so schließt das die Erteilung einer Lizenz an den Bewerber aus“, zitiert die SZ den Wissenschaftler.

Wir sehen hier medienrechtlich keine Probleme.

–  Sprecher der Deutschen Telekom

Jetzt reagiert die Deutsche Telekom – und sie hält den Ball bewusst flach. „Wir sehen hier medienrechtlich keine Probleme. Es gelten nach wie vor die gleichen Voraussetzungen wie in den zurückliegenden Jahren“, sagte ein Sprecher der Telekom auf JP4-Anfrage.

Folgt man Säckers Argumentation, so wäre schon das seit 2009 bestehende Angebot der Telekom, Bundesliga live über die Entertain-Plattform zu verbreiten, rechtswidrig.  Der von der Deutschen Telekom bisher gewählte Weg, die Constantin Medien über eine Sublizienzierung als Programmanbieter einzusetzen, sei nicht tragfähig.  „Dass Constantin Medien im Rahmen der Programmgestaltung andere Interessen als die der Telekom berücksichtigt, erscheint höchst zweifelhaft und lebensfremd“, wird Säckers Studie zitiert. Schließlich bestimme die Telekom auch weiterhin über Preise, Marketing und kassiere die Werbeerlöse.

Säcker selbst wollte sich auf JP4-Anfrage nicht äußern. Eine Mitarbeiterin teilte mit, die Studie werde demnächst in der Fachzeitschrift Kommunikation & Recht veröffentlicht.

Beobachter zeigten sich erstaunt, dass die Säcker-Expertise gerade im Vorfeld der heißen Phase der Rechteauktion der Deutschen Fußball Liga (DFL) an die Öffentlichkeit gelangte. Die erste Bieterrunde für die Periode ab 2013/14 endet am 2. April. Wettbewerbern im Rechtepoker dürfte das Störfeuer gelegen kommen. Der Branchendienst Meedia meldet, die Säcker-Expertise sei angeblich bereits Mitte 2011 fertig gewesen. Auch der Auftraggeber der Studie ist bislang nicht bekannt geworden.

Auch die Analysten der US-Bank von Morgan Stanley hatten im Januar Bedenken angemeldet: So sei es beim Internetfernsehen IPTV noch möglich gewesen, die Constantin Medien als „Schlupfloch“ zu nutzen. Hingegen wäre künftig eine klassische Broadcasting-Verbreitung über Kabel und Satellit durch die Telekom aufgrund der größeren Reichweite auch mit einem zwischengeschalteten Partner mit deutschem Recht unvereinbar. Morgan Stanley wiederum tritt auch im Investment-Banking als Dienstleister für Sky in Erscheinung.

Wenn sich das Volumen der Telekom-Sportrechte vervielfachen sollte, macht das in jedem Fall eine Neubewertung nötig.

– Thomas Fuchs, ZAK

Dass die Deutsche Telekom beim Bundesliga-Bieten zumindest in juristisch unruhiges Fahrwasser geraten könnte, macht eine Einschätzung deutlich, die Thomas Fuchs, Vorsitzender der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK), dem Tagesspiegel gab. Nach Fuchs´Auffassung spielt sehr wohl das Volumen der Rechte eine Rolle: „Wenn sich im aktuellen Bieterverfahren das Volumen der Telekom-Sportrechte vervielfachen sollte, macht das in jedem Fall eine Neubewertung nötig“, sagt er. „Die Erteilung der Sendelizenz für Constantin Medien war 2009 ein Ergebnis sorgfältiger Abwägung. Entscheidend war dabei, dass die Verantwortung für das Programm bei der Constantin liegt. Das haben sich die Medienanstalten seinerzeit zusichern lassen.“

Stefan Merx für JP4

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