Philipp Hasenbein zur Asien-Strategie: “Strohfeuer gab es bereits genug”

Der Sportfive-Chef Philipp Hasenbein misst Asien im Fußball-Sponsoring wachsende Bedeutung bei. Ein Gespräch über Ursachen, Erfolgsfakoren und den Vorsprung der Engländer.

Quelle: Sportfive

Philipp Hasenbein leitet die Geschäfte von Sportfive. Die nach eigenen Angaben führende Sportrechteagentur in Deutschland vermarktet aktuell neun Fußball-Erstligisten.

Herr Hasenbein, Asien gilt für viele Branchen als der wichtigste Wachstumsmarkt – auch für den Fußball?

In Asien schlummert ein riesiges Fan- und Kundenpotenzial. Da die einheimischen Märkte so gut wie erschlossen sind, orientieren sich die Vereine und Vermarkter bei der Sponsorensuche zunehmend auch in Richtung Asien – mit Erfolg: Asiatische Unternehmen drängen mit ihren Produkten auf den europäischen Markt und nutzen den Fußball als Kommunikationsplattform, um pan-europäisch zu werben.

Was macht den europäischen Fußball für asiatische Firmen so attraktiv?

Die europäischen Fußball-Klubs sind die Premium-Marken des Weltfußballs. Mit einem Sponsoring stärken asiatische Global Player nicht nur ihr Markenimage, sie erhalten auch weltweite Aufmerksamkeit. Westliche Marken und damit auch Fußball-Klubs haben auf dem Kontinent für viele Menschen eine große Strahlkraft. Mit einem Fußball-Sponsoring erhalten asiatische Marken deshalb auch eine Art westliches Gütesiegel.

Vielen Sponsoren geht es aber nicht nur darum, Marktanteile in Europa zu gewinnen. Sie nutzen die Klubs verstärkt auch in ihren Heimatländern als Werbeplattform.

Eine große Rolle spielt hier die vermehrte TV-Berichterstattung über die europäischen Ligen in Asien. Dadurch können asiatische Unternehmen ihren jeweiligen Heimatmarkt immer besser erreichen. Vorreiter bei der Berichterstattung ist die Premier League, aber auch die Bundesliga entwickelt sich positiv.

Mit welchen Strategien versuchen die Vereine, die Expansion weiter voranzutreiben?

Immer mehr Rechtehalter erkennen die wachsende Bedeutung Asiens und versuchen, die Märkte mit Trainingslagern, Turnieren und Spielern aus Fernost für sich zu erschließen. Europäische Top-Klubs wie Manchester United oder der FC Chelsea bauen sogar eine eigene Vermarktungsstruktur in Asien auf oder arbeiten mit regionalen Vermarktungspartnern zusammen. Manchester United hat bereits rund 30 Mitarbeiter vor Ort. Das führt dann fast zwangsläufig zu weiteren Partnerschaften mit asiatischen Unternehmen.

So weit sind deutsche Vereine noch längst nicht. Gerade was lokale Partnerschaften in einzelnen Ländern angeht, hat die Bundesliga noch großen Nachholbedarf.

Um am asiatischen Geschäft teilzuhaben, überarbeiten viele Vereine gerade ihre Exklusivitätsstruktur. Neben einem exklusiven nationalen Bierpartner gibt es dann beispielsweise auch noch einen exklusiven asiatischen Bierpartner. Das lässt sich natürlich auf alle Branchen übertragen.

Würden mehr Gastspiele in Asien ebenfalls helfen?

Alle Aktivitäten deutscher Vereine in Asien machen nur Sinn, wenn es eine langfristige nachhaltige Strategie gibt. Strohfeuer wie Einmalspiele in Asien gab es schon genug.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mathias Peer für JP4

Kommentar hinterlassen


− eins = 2

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen