Marcus Hochhaus: „Bundesligarechte sind kaum zu refinanzieren“

Im Interview sieht Berater Hochaus das neue Pay-Angebot des Springer-Verlags eher skeptisch. Dennoch: Die Übertragung der Bundesliga „on demand“ hat Zukunft.

Quelle: Goldmedia

Marcus Hochhaus ist Geschäftsführer der Goldmedia Consulting GmbH.

Herr Hochhaus, der Springer-Verlag verknüpft große Hoffnungen mit dem Start der Fußball-Bundesliga. Erstmals zeigt „Bild“ auf digitalen Kanälen als Bezahlinhalt mehrminütige Spielzusammenfassungen. Überzeugt Sie das Konzept?

Revolutionär neu ist es zumindest nicht, Highlight-Clips zu zeigen. T-Online hat das vor einigen Jahren auch schon gemacht für knapp vier Euro im Monat – ein sehr gutes Produkt, wenngleich nur mäßig erfolgreich. Bei „Bild“ ist heute natürlich die Sichtbarkeit höher – und das Vorhaben wird werblich mit allen Hebeln des Verlags crossmedial unterstützt. Springer zieht das Projekt auf die größtmögliche Plattform.

20 Millionen Euro soll Springer nach unbestätigten Angaben für das Recht zur Highlight-Berichterstattung gezahlt haben. Wäre eine solche Summe in den vier Jahren überhaupt wieder reinzuholen über Nutzerabos und Werbeeinnahmen?

Bundesligarechte sind immer ein strategisches Investment. Für den Lizenznehmer ist es kaum möglich, die Kosten mit Fußballinhalten zu refinanzieren. Gleiches gilt für Sky mit den Liverechten und Sport1, die sich unter anderem die Hörfunkrechte gesichert haben. Analog zu Sky gilt bei Springer: Zu einer Bezahlstrategie gehören Premiuminhalte – und das ist Bundesliga-Fußball.

Wer die sechsminütigen Clips noch am Wochenende sehen will, muss Springer mindestens 7,98 Euro im Monat überweisen. Ist der Preis gut gesetzt?

Man muss das im Vergleich mit anderen Pay-Angeboten beurteilen. Wenn es dem Zuschauer um Bewegtbilder und Analysen geht, ist man bei Sky mit € 29,90 im Monat sicherlich besser bedient, zumal hier alle Spiele live und in den Zusammenfassungen enthalten sind. Dazu noch die Empfangbarkeit über alle Endgeräte. Insofern sind für mich nicht die Spielzusammenfassungen alleine, sondern das Gesamtangebot zum Thema Bundesliga für einen Erfolg entscheidend.

Bei T-Mobile kostet das komplette Sky-Bundesliga-Abo 12,95 Euro ab der kommenden Saison – zu sehen über Smartphone oder Tablet. Ist das nicht ein direkter Angriff auf Sky, das derzeit die mobile Nutzung nicht Stand-alone anbietet? Die Kosten für ein Receiver-Abo liegen ja erheblich höher.

Ich sehe das eher als Teil der Vereinbarungen zwischen Sky und Deutscher Telekom. Es ist im Übrigen nicht unwahrscheinlich, dass Sky Go in Zukunft auch als Stand-alone-Produkt vermarktet. Es gibt mehr und mehr Nutzer, für die der Big Screen nicht mehr die hohe Bedeutung hat. Das erkennen die Sender – und reagieren.

Der Zuschauer, der das eine Spiel von Anfang bis Ende ansieht, den gibt es immer seltener. – Marcus Hochhaus

Vor ein paar Jahren saß der Fußballfan vor der Sportschau und guckte hintereinander weg, was aufgetischt wurde. Wie sieht das künftige Nutzungsszenario für die Bundesliga aus?

Es gibt nicht das eine Szenario, sondern es zeichnet sich eine fragmentierte Mediennutzung ab. Leute gucken, hören oder lesen zunehmend „on demand“ und die Situation entscheidet, was ihnen gerade angemessen erscheint. Der Zuschauer, der das eine Spiel von Anfang bis Ende ansieht, den gibt es immer seltener. Ebenso wie den Leser, der ein Hochglanzmagazin von vorne bis hinten durchliest. Die spezifische Mediennutzung entwickelt sich parallel zum Phänomen des hybriden Konsumenten: Leute, die bestimmte Produkte bei Aldi kaufen und andere Dinge im Feinkostladen.

Gibt es einen Schlüssel, um die Fußballfans für sein spezielles Medium zu begeistern?

Die Verzahnung mit sozialen Medien ist für die Nutzerbindung wichtig. Ob „Bild“ das schafft oder das Webradio von Sport1 oder die Vereine selbst, bleibt abzuwarten.

Wie bewerten Sie die Telekom-Strategie, sich verstärkt dem Klub-TV zu widmen?

Es ist eine sehr interessante Perspektive, die Klubs zu unterstützen. Viele Fans sind mehr an ihrem Verein interessiert als an der gesamten Liga. Das liefert Klub-TV natürlich unschlagbar authentisch. Wenn ich aber an objektiver Berichterstattung interessiert bin, brauche ich auch als Fan ein anderes Medium als zweite Quelle.

Die DFL hat in den letzten Jahren die eigene Berichterstattung über die Bundesliga forciert – mit bundesliga.de und für die Auslandsmärkte bundesliga.com. Macht die Liga den Medien, die zum Teil für Berichterstattungsrechte zahlen, nicht gehörig Konkurrenz?

Ich halte die Strategie der Liga an dieser Stelle für sehr richtig, man macht sich nicht abhängig. Die DFL hat – fast wie ein Hollywoodstudio – grundsätzlich die Wahl, ihre Inhalte zu lizenzieren oder auf eigenen Verwertungsplattformen zu nutzen. Man versucht, die Erlöse zu optimieren – sich aber auch fit zu halten für den Fall, selber einspringen zu müssen. Die Plattformen auszubauen, gerade im internationalen Bereich, ist hervorragend gelungen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Stefan Merx für JP4

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