Sky kontert Springers Bundesliga-Pläne

Zum Saisonstart erlebt die Fußball-Bundesliga eine Online-Offensive. Das neue „Bild“-Bezahlangebot wird jetzt von einer Sky-App attackiert.

Medienkonzerne bringen sich in Stellung, kämpfen mit frisch konzipierten Web-Angeboten um Fußballfans, Reichweite und Werbekunden. Ab 9. August zeigt sich, wo der Ball ins Netz geht. Wessen Angebot für Tablets, Smartphones, Desktop-Rechner und Smart-TV kann die Bundesliga-Fans überzeugen? Neben Preis, technischer Stabilität und redaktioneller Qualität entscheidet vor allem ein guter Start.

Quelle: Axel Springer

Die mediale Hackordnung muss sich in dieser Saison neu etablieren, denn Axel Springer betritt die Kampfzone. Der Verlag baut sich mit der Bundesliga eine neue digitale Bühne: Eine Stunde nach Abpfiff, samstags gegen 18.20 Uhr, bietet „BILD“ Highlight-Clips der Spiele von bis zu sechs Minuten Länge. 20 Millionen Euro ließ sich Springer das Recht nach unbestätigten Angaben kosten.

Quelle: Sky

Der Liverechte-Inhaber Sky überlässt dem Neuling keinen Zentimeter Marktanteil freiwillig. Mit einer neuen App für das Programm Sky Sport News HD, die in diesen Tagen im App Store von Apple erstmals gelistet wird, will der Pay-TV-Sender den hochfliegenden Springer-Bewegtbildplänen einen Dämpfer verpassen: Für einen Preis unter fünf Euro im Monat wird Sky über die App alle Spielzusammenfassungen der Bundesligapartien schon ab 17.20 Uhr zeigen – also eine Stunde, bevor Bild loslegen darf. „Wir werden diese Stunde gut zu nutzen wissen“, sagt ein Sky-Sprecher gegenüber HORIZONT vielsagend.

Quelle: Screenshot App Store, mx

Ein Fan, der in der Straßenbahn vom Stadion nach Hause fährt, könnte sich so schon den kompletten Überblick verschaffen. Eifrig bewirbt Sky zudem seine Abos im Umfeld der „BILD“-Bundesliga-Berichterstattung. Der Kick-off beginnt für Springer so mit einem Pressschlag. „Die Bundesliga-Rechte sind ein wichtiger Baustein in unserer Strategie, attraktive Paid-Content-Modelle zu etablieren“, sagt Jan Wachtel, Mitglied der Geschäftsleitung BILD Digital. „Das Projekt ist für uns ein großes Experiment.“

Knapp acht Euro im Monat kostet es bei Springer, den Ball hinter der Bezahlschranke rollen zu sehen: Voraussetzung ist ein BILD-plus-Abo, im kleinsten Zuschnitt 4,99 Euro teuer, hinzu kommt der Bundesliga-Zugang für 2,99 Euro. „Der Nutzer ist sein eigener Programmdirektor, er kann das Produkt beliebig in seinen Alltag integrieren“, sagt Wachtel. Anders als in der Sky-App lassen sich bestimmte Spiele direkt ansteuern.

„Es gibt zwei Erlössäulen: Wir wollen Einnahmen über die Nutzer-Abonnements und natürlich auch über die Vermarktung erzielen“, sagt Wachtel. In der Nacht zu Montag, 0.00 Uhr rutschen die Clips in den Gratis-Bereich, wo Bild auf Reichweite setzt. Vier „Sponsoren“ helfen beim Gegenfinanzieren: Als Hauptpartner steht Volkswagen dem Verlag zur Seite, daneben kauften Kik, Vodafone und Microsoft Xbox für ein Jahr die Werbeflächen. Sie werden crossmedial belegt.

Quelle: Axel Springer

Bei Fragen nach kaufmännischen Erwartungen schweigen die Springer-Verantwortlichen. Sie wollen ohne Krawall auf die Bühne treten. „Ich sehe gar keine Konkurrenzsituation. Es gibt eine klare Abgrenzung zu Sky und der Sportschau“, sagt Wachtel. „Wir sind kein Fernsehsender, wir machen Internetberichterstattung, bei der jetzt Bewegtbilder unsere Inhalte ergänzen.“

Um für „BILD“ etwas Platz im Online-Markt zu machen, rückt immerhin ein großer Spieler zur Seite: die Deutsche Fußball Liga (DFL). Deren Site Bundesliga.de, nach einer Repucom-Studie drittbeliebteste Quelle der deutschen Fußballfans im Netz, hat bisher ab Montag um Mitternacht Highlights der Bundesliga-Spiele gezeigt. Da genau dies nun auch „BILD“ plant, würde die Liga einem Rechtehalter mit einem eigenen attraktiven Medienangebot reingrätschen. Ein DFL-Vertrauter sagt, es sei Kerngeschäft der DFL, Rechte zu vermarkten und nicht Internetseiten zu betreiben.

In der Folge krempelt die DFL ihr redaktionelles Konzept um: Ab dieser Saison zeigt Bundesliga.de die Bewegtbilder des vergangenen Wochenendes erst ab Mittwoch um Mittnacht. Das bestätigte ein DFL-Sprecher HORIZONT. Da sich am Mittwoch keine Highlights mehr als frisch verkaufen lassen, wird die von DFL Digital Sports realisierte Website eine neue Form der Videoberichterstattung entwickeln. Es ist zu erwarten, dass Mitte der Woche schon der kommende Spieltag fokussiert wird – und dabei die Tore des vergangenen Wochenends einfließen.

Stefan Merx für HORIZONT

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