Die Telekom dribbelt aus der Nische

Die Deutsche Telekom umgarnt mit Klub-TV die Fans großer Vereine – und vertickt per Mobilfunk günstige Sky-Liveberichte.

Den Rechtepoker hat die Deutsche Telekom verloren – dennoch bleibt sie über Umwege eng am Ball. Eine umfangreiche Kooperation mit dem Liverechte-Inhaber Sky hilft dem Bonner Konzern, die Kunden des hauseigenen TV-Angebots „Entertain“ weiter mit der Fußball-Bundesliga zu versorgen.

Screenshot: App Store, mx

Aus der Nische kickt die Telekom weitere Angebote in den Markt: Mobilfunk-Kunden können ein Live-Angebot über die App „Mobile TV“ nutzen. Für 12,95 im Monat können Telekom-Nutzer in der neuen Saison das komplette „Sky-Bundesliga-Paket“ über das mobile Endgerät ansehen – alle Spiele live. Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing der Deutschen Telekom, verspricht hochwertige Bilder. Die Qualität sei besser als zuvor, da eine Auflösungsvorgabe der Deutschen Fußball Liga (DFL) wegfalle.

Die Offerte in Magenta setzt zugleich einen interessanten Preispunkt: Denn wenn Sky beginnt, sein Angebot für unterwegs „Sky Go“ von einem regulären Abo zu entkoppeln, steht man in diesem Segment künftig in direktem Wettbewerb mit dem Kooperationspartner.

Sky will „Sky Go“ auf eigene Beine stellen

Bislang ist Sky Go, also die Nutzung des Programms auf Smartphones, Tablets und Laptops nur ein Zuckerl für Abonnenten mit klassischem Receiver. Doch Sky bereitet nach HORIZONT-Informationen die Abkopplung von Sky Go vor. „Die Anzahl der Kunden-Logins stieg 2012 um 335 Prozent auf 33,3 Millionen“, sagt Sky-Sprecher Ralph Fürther. „Die Bereitstellung von Sky Go in seiner Gesamtheit als Stand-Alone-Angebot ist eines der Dinge, über die wir nachdenken.“ Einen Zeitplan nannte Fürther nicht.

Quelle: Screenshot bvbtotal.de, mx

Eine Alleinstellung erarbeitet sich die Telekom derweil auf dem Gebiet des immer wichtiger werdenden Klub-TV. Die Zahl der Partnervereine, bei denen die Telekom ein webgestütztes TV-Portal aufgesetzt hat, ist auf zehn angewachsen.

„Es ergibt vor allem Sinn für Traditions- und Kultklubs“, sagt Stiegenroth. Zwischen drei- und fünfstelligen Abonnentenzahlen haben diese kostenpflichtigen Portale. „Wir glauben im Zuge der Mikrosegmentierung daran, dass Klub-TV immer wichtiger wird. Man ist ja meist Fan eines Vereins, und nicht Fan der Bundesliga. In unserem Modell nehmen wir den Vereinen das Investitionsrisiko ein Stück weit ab“, sagt Stiegenroth.

„Es ist eine sehr interessante Perspektive, die Vereine zu unterstützen“, bestätigt Marcus Hochhaus, Chef der Goldmedia Consulting, die Strategie.

Durch die Fanbrille: Die zehn Telekom-Klubs

Beim Klub-TV kooperieren bereits zehn Vereine mit der Deutschen Telekom: Für Borussia Dortmund und den Hamburger SV baut die Telekom die Portale bvbtotal und hsvtotal, die als Optionen für Mobile TV und Entertain gebucht werden können. Mit dem FC Bayern München ist ein Klub-TV-Zugpferd im Portfolio, das allerdings redaktionell autark arbeitet. Bei anderen Klubs bereitet Laola1 die Videoinhalte im Telekom-Auftrag auf. Unter Vertrag sind der VfB Stuttgart, Hannover 96, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Braunschweig sowie die Zweitligisten FC St. Pauli, FC Union Berlin und der 1. FC Kaiserslautern.

Die Klubsender nutzen eine Option, die ihnen nach den Regeln der DFL zusteht: Sofern sie eine Bezahlschranke einziehen, dürfen sie ihre Partien direkt nach Abpfiff komplett zeigen – im sogenannten „Re-Live“. Als Partner für die Kommentierung der Berichte, die im Klub-TV gefärbt durch die jeweilige Vereinsbrille geschieht, setzt die Telekom auf das Wiener Unternehmen Laola1.

Stefan Merx für HORIZONT

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