Die Bundesliga muss liefern

Nach einer Rekordsaison, die ihren Höhepunkt im deutschen Champions-League-Finale fand, müssen die Bundesligaklubs ihren Erfolg in der neuen Spielzeit bestätigen.

Hat das wieder lange gedauert. 83 Tage sind seit dem letzten Bundesligaspiel vergangen, am heutigen Freitagabend geht es endlich wieder los. Zum Auftakt empfängt der FC Bayern München Borussia Mönchengladbach in der Allianz-Arena. Mit dem Anpfiff des Spiels zwischen dem Triple-Sieger und dem Achtplatzierten der Vorsaison beginnt nach einer Rekordspielzeit eine Saison der Bestätigung für den deutschen Fußball. Er muss beweisen, dass die vergangene Saison nicht bloß ein Ausrutscher nach oben war.

Quelle: Deutsche Telekom

Denn so erfolgreich wie in der vergangenen Spielzeit war die Liga schließlich noch nie. Besonders der FC Bayern München steuerte seinen Teil dazu bei: Schon vor der Saison trat mit Javi Martínez der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte seinen Dienst an, mit seinen Teamkollegen übertraf er mit 91 erzielten Punkten den erst in der Vorsaison aufgestellten Rekord von Borussia Dortmund (BVB) und feierte die früheste Meisterschaft seit Gründung der Liga.

Im Champions-League-Finale stand den ohnehin erfolgsverwöhnten Münchnern mit dem BVB ein ebenfalls deutscher Klub gegenüber. Eine Premiere, die dem deutschen Fußball weltweit Aufmerksamkeit und Wertschätzung und den Finalisten Einnahmen von rund 60 Millionen Euro brachte. Dass die Liga auch im Inland beliebt ist wie nie, zeigt die Zahlungsbereitschaft der Medienhäuser. Die Übertragungsrechte der Bundesliga für die nächsten vier Jahre erreichten mit 628 Millionen Euro pro Saison einen neuen Höchstpreis, damit kassierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) satte 216 Millionen Euro mehr als in der vorherigen Periode.

Sämtliche Klubs der ersten und zweiten Bundesliga bezeichnen die aktuelle wirtschaftliche Lage der Branche denn auch als gut oder sogar sehr gut, das geht aus einer in dieser Woche veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young hervor. Bei all den guten Nachrichten – was ist von der neuen Saison zu erwarten? Kann es noch mal so ein erfolgreiches Jahr geben?

Zumindest die Klubs sind optimistisch, wie die Ernst & Young-Erhebung zeigt. Für die heute beginnende Saison erwarten 50 Prozent der Erstligaklubs eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, 38 Prozent rechnen mit einer etwas besseren Situation, nur 12 Prozent mit einer schlechteren.

„Das wirtschaftliche Klima im deutschen Fußball hat sich über die zehn Jahre, die wir die Untersuchung machen, verbessert“, sagt Christine Unterhitzenberger, Managerin bei Ernst & Young und Autorin der Studie. Die Erträge der 18 Bundesligisten haben sich von 2001/02 bis 2011/12 von einer Milliarde Euro auf 2,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Premier League international gefragter

Quelle: PR

Unterhitzenberger erwartet auch für die kommende Saison gute wirtschaftliche Ergebnisse im deutschen Profifußball. Die Quelle für diesen Erfolg sieht sie aber nicht in Deutschland, wie das Beispiel der medialen Vermarktung zeige. „Mit den jetzt vergebenen Übertragungsrechten ist das Potenzial in Deutschland weitgehend ausgeschöpft, viel mehr werden die Medienhäuser in Zukunft kaum zahlen werden. Möglichkeiten gibt es aber noch im Ausland, wie die Erfolge der spanischen und englischen Liga zeigen.“

Diese Ligen erfreuen sich abseits ihres Heimatmarkts großer Beliebtheit und kassieren deutlich besser als die deutsche Konkurrenz. 2012 schloss die englische Premier League einen neuen Übertragungsrechtevertrag für das Ausland ab und nimmt damit pro Spielzeit 562 Millionen Euro ein. Die DFL freute sich derweil über einen fünfzigprozentigen Zuwachs der Einnahmen aus dem Auslandsgeschäft auf 71,6 Millionen Euro.

Um in Zukunft in ähnliche Sphären vorstoßen zu können, müsse die Auslandsvermarktung der Liga und auch der einzelnen Klubs weiter vorangetrieben werden, so Unterhitzenberger – Grundlage dafür sei aber, dass deutsche Klubs auf internationalem Parkett konstant gute Leistungen bringen. „Um außerhalb Deutschlands langfristig erfolgreich zu sein, sind weitere internationale Erfolge notwendig. Besonders effektiv ist es natürlich, wenn gleich mehrere Vereine in der Champions League für Furore sorgen“, so die Studienautorin.

Zwar schlage es sich für Stuttgart, Augsburg, Bremen und Co. nicht unmittelbar wirtschaftlich nieder, wenn sich BVB und FCB um die Krone des europäischen Fußballkönigs streiten, so Unterhitzenberger. Doch der Erfolg färbt ab. „Dass zwei deutsche Teams im Finale der Champions League waren, hat dem deutschen Fußball insgesamt gut getan: Es hat gezeigt, wie gut die Liga ist“, sagte Philippe Blatter, Chef des Sportrechtevermarkters Infront vergangene Woche im Handelsblatt-Interview.

Das bestätigt die Fußballstudie von Ernst & Young: Die Klubs der ersten Liga bewerten sportliche Wettbewerbsfähigkeit ihrer Spielklasse sehr positiv. 80 Prozent der Befragten schätzten sie im Vergleich mit den Topligen aus Spanien, England, Frankreich und Italien als „sehr hoch“ ein – Bestwert. Die sportliche Wettbewerbsfähigkeit der häufig als stärkste Liga der Welt bezeichneten Premier League bewerteten nur 48 Prozent der Klubs als „sehr hoch“ (Spanien: 43 Prozent).

Ähnlich verhält es sich mit der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit. Obwohl das Vermögen der Liga alles andere als ausgeglichen verteilt ist und Klubs wie Schalke 04 oder der Hamburger SV mit Schulden zu kämpfen haben, schätzen 78 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Liga als „sehr hoch“ ein, die englische Liga sehen nur 13 Prozent auf gleichem Niveau, die italienische Seria A und die spanische La Liga werden wirtschaftlich mehrheitlich als mittelmäßig oder sogar schlecht beurteilt.

Stars zieht es in die Bundesliga

Quelle: FC Schalke 04

Die wirtschaftliche Kraft der Liga schlägt sich in den vergangenen Saisons auch immer stärker auf die Personalzusammensetzung der Spitzenteams nieder. Martinez kam, Barcelonas Jungstar Thiago Alcántara folgte, Weltstars wie Franck Ribéry oder Bastian Schweinsteiger blieben, Raúl gab ein Gastspiel auf Schalke und freundete sich mit Supertalent Julian Draxler an. Der schlug kürzlich erst Angebote internationaler Topklubs aus, um im Pott zu bleiben – darunter eine Offerte von Manchester City, die ihm angeblich über fünf Jahre 60 Millionen Euro Gehalt eingebracht hätte.

Den aufsehenerregendsten Transfer der jüngeren Vergangenheit landete Bayern München mit Mario Götze. Die Bayern kauften ihm dem BVB für 37 Millionen Euro ab. Damit blieb der Liga auch dieser Spieler erhalten – wenn auch aus Sicht der Borussen beim falschen Verein.

Für Philipp Kupfer, Director Business Development bei der Sponsoringberatung Repucom, war der Götze-Deal ein sinnvoller Transfer: „Bei Bayern geht es in dieser Saison darum, weiter zu Barcelona, Manchester United und Real Madrid aufzuschließen. Dazu brauchen sie Topspieler.“ Der Transfer zeige zudem den Unterschied, der trotz eines Champions-League-Finales auf Augenhöhe zwischen beiden Klubs bestehe. „Dortmund hat trotz der Erfolge der Vergangenheit das Problem, Leistungsträger abgeben zu müssen. Der Status des Klubs ist noch nicht so hoch wie der der Bayern“, sagt Kupfer mit Blick auf die Abgänge von Shinji Kagawa (Manchester United), Nuri Sahin, der zwischenzeitlich sein Glück bei Real Madrid suchte und nicht fand, und eben Götze.

Um den Abgang des Offensivspielers zu kompensieren und sich im internationalen Geschäft weiter zu etablieren, hat Dortmund in diesem Jahr erstmals in der jüngeren Vergangenheit tief in die Tasche gegriffen. Mit Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang hat der BVB zwei bereits international etablierte Fußballer für insgesamt ca. 40 Millionen Euro unter Vertrag genommen, dazu kam mit dem Bremer Innenverteidiger Sokratis Papastathopoulos ebenfalls ein gefragter Mann ins Ruhrgebiet. Damit habe der Klub nicht nur viel Geld in die Hand genommen, sondern auch gezielt Spitzenpersonal geholt, sagt Kupfer. „Das zeigt, dass sich Dortmund nun auf einem gewissen Niveau angekommen sieht.“

Watzke drosselt den Erwartungsdruck

Quelle: Borussia Dortmund

Die erneute Final- oder Halbfinalteilnahme in der Champions League bezeichnete BVB-Chef Hans-Joachim Watzke vergangene Woche in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ nichtsdestotrotz als „komplett unrealistisch.“ Die Rolle als eines von zwei Zugpferden der Liga wird sein Klub wohl dennoch nicht los – und das ist auch gut so, sagt Unterhitzenberger. „Es ist nicht von Nachteil, wenn mit dem BVB und den Bayern zwei Klubs dominieren, solange die Lücke danach nicht zu groß wird“, sagt die Studienautorin. Sollte das geschehen, verlöre die Liga an Attraktivität.

Mit Bayer Leverkusen und dem FC Schalke 04 treten allerdings zwei ebenfalls große Klubs mit namhaften Kadern in der Königsklasse beziehungsweise in der Qualifikation dazu an. „Leverkusen ist für junge Spieler ein ideales Sprungbrett in die Spitzenklasse“, sagt Repucom-Experte Kupfer. Der Verein habe sich in den vergangenen Jahren vom Klub, der teure brasilianische Fußballer unter Vertrag nimmt, zu einem Verein mit einem deutschgeprägten Kader entwickelt. „Sportlich müsste es jetzt aber mal der Anspruch sein, mehr Spieler zu halten, um international mehr zu erreichen und in der Bundesliga kontinuierlich um die Meisterschaft zu spielen. Jetzt wäre Zeit für den letzten Schritt in diese Richtung“, so Kupfer.

Dem FC Schalke 04, der sich mit Leon Goretzka (VfL Bochum) und Christian Clemens vom 1. FC Köln zwei talentierte deutsche Spieler aus der zweiten Liga gesichert hat, traut Kupfer den Angriff auf die Spitzenplätze ebenfalls zu. „Wenn neben Draxler noch einer der Neuzugänge voll einschlagen sollte, könnte Schalke eine echte Überraschung gelingen“, so der Sportbusiness-Fachmann.

Fanfest in Deutschland

Quelle: Coca-Cola

Langweile in der Liga fürchtet auch Vermarkter Blatter nicht: „Spanische Verhältnisse werden wir in Deutschland nicht erleben“, sagt er im Interview und auch Christine Unterhitzenberger von Ernst & Young hält die Bundesliga für attraktiv. Es seien immer Überraschungen möglich, wie das starke Abschneiden des SC Freiburgs und von Eintracht Frankfurt. Die Breisgauer spielen Europa League, Frankfurt kann sich dafür noch qualifizieren – in der Vorsaison spielten die Hessen noch in der zweiten Liga. „Das macht den Reiz aus“, sagt Unterhitzenberger.

Dass am Ende der Saison die Weltmeisterschaft in Brasilien steht, dürfte ein Übriges dazu tun, dass sich die Protagonisten sowohl in der Liga als auch in den internationalen Wettbewerben ins Zeug legen werden.

Malte Laub für Handelsblatt Online.

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