Ultimate Fighting drängt zurück auf deutschen Markt

Lange war sie abgetaucht, nun will die hart kritisierte Ultimate Fighting Championship hierzulande wieder Fuß fassen. Manager Garry Cook erklärt exklusiv, wie.

Quelle: Getty Images/ZUFFA LLC

Die Kölner Lanxess Arena im Juni 2009: Statt Eishockey-Cracks, Karnevalisten, Musikern oder dressierten Pferden beherrschen halbnackte Kämpfer die Halle. In einem maschendrahtbegrenzten Achteck duellieren sie sich mit Tritten, Schlägen, Würfen und Griffen, Blut fließt, die Stimmung ist ohrenbetäubend. Die Ultimate Fighting Championship (UFC) ist zu Gast. Das Kampfsportspektakel, damals in den USA schon beliebter als Boxen, hatte zum ersten Mal den Weg nach Deutschland gefunden. 13.000 Menschen kamen und wollten für Eintrittspreise zwischen 35 und 285 Euro die Kämpfe im Mixed-Martial-Arts-Stil (MMA) sehen. Dabei werden verschiedenste Kampfsportarten wie Boxen, Taekwondo, Jiu Jitsu oder Ringen miteinander kombiniert.

Die Aufregung in Politik, Medien und Öffentlichkeit war groß: Die Kampfveranstaltung mit ihrem mit käfigähnlichen Ring, dem so genannten Octagon, war vielen zu brutal. Bei UFC-Kämpfen sind neben Ellbogen- und Knieattacken auch Angriffe auf am Boden liegende Gegner erlaubt und blutende Cuts oder Wunden sind nicht per se Grund für den Abbruch eines Kampfes. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde beklagte im Kölner Stadt-Anzeiger, die Kämpfe leisteten der Verharmlosung von Gewalt Vorschub, ein Boxreporter sprach sich offen gegen die UFC aus und sogar Arena-Sponsor Lanxess distanzierte sich von der Veranstaltung. Sie fand trotzdem statt. Nach der Premiere in Köln folgte 2010 ein zweites Kampfspektakel in Oberhausen.

Dann war es drei Jahre lang still um die hart kritisierten harten Jungs aus dem Maschendraht-Achteck.

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Heute sitzt Garry Cook, Managing Director der UFC für das Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und in Afrika, im Backstagebereich des Kölner Palladiums und ist ein bisschen aufgeregt. Gleich muss er auf die Bühne und zu einem Publikum sprechen, das er nicht kennt: Nerds. Der Videospielhersteller EA Games präsentiert im Rahmen der Kölner Branchenmesse Gamescom seine Neuheiten und darunter ist mit dem Spiel „EA Sports UFC“ auch so etwas wie eine neue Chance für Cooks Kämpfer.

Unverständnis in Deutschland ist groß

„EA pickt sich nur ein paar Sportarten raus und wir sind nun dabei. Wir haben damit eine große Plattform dazugewonnen“, sagt Cook im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Das Videospiel ist ein Teil unserer Strategie, den Sport bekannter zu machen.“ Das gilt besonders für Deutschland, ein Land, in dem die MMA-Veranstaltung nach eigenen Angaben zwar eine Fanbasis von 5,18 Millionen Menschen hat, aber immer noch auf breites Unverständnis stößt.

Das soll sich nun ändern. Deutschland soll neben den Kernmärkten USA, Brasilien und Kanada sowie europäischen Neulingen wie Schweden regelmäßiger Austragungsort von UFC-Kämpfen werden. Das Videospiel ist dabei nur ein kleiner Schritt. „2014 wird es eine UFC-Veranstaltung in Deutschland geben“, sagt Garry Cook. Es sei aber noch zu früh, einen Termin oder einen Ort bekanntzugeben. „Wir sind derzeit sowohl in Gesprächen mit Politik und Verwaltung als auch mit den Landesmedienanstalten. Den Ergebnissen möchte ich nicht vorgreifen“, sagt Cook. Er weiß, dass er vor allem die offiziellen Stellen besänftigen muss.

2014 wird es eine UFC-Veranstaltung in Deutschland geben – Garry Cook

„Wir müssen den Leuten beibringen, wofür unser Sport wirklich steht, denn das aktuelle Bild unseres Sports ist ein falsches“, so der vormals beim Sportartikelhersteller Nike und beim englischen Premier-League-Klub Manchester City beschäftigte Manager. Die Meinung, MMA sei eine blutrünstige Schlägerei ohne Regeln, existiere immer noch, obwohl die UFC über ein Regelwerk mit 32 expliziten Verboten und Fouls verfügt. Außerdem habe es – anders als in der etablierten Gentlemansportart Boxen – noch nie einen Todesfall gegeben, die schlimmste Verletzung seit Gründung der UFC sei ein Armbruch gewesen, heißt es im „Fact Book“ der UFC, mit dem sie für die Akzeptanz ihres Sports wirbt.

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„Wenn man ein Video der schlimmsten Fouls im Fußball sieht, würde man ein ganz anderes Bild der Sportart bekommen“, sagt Cook. „So erging es uns in Deutschland: Hier wurde nur darüber berichtet, dass wir ein brutaler Sport wären. Dabei platzt auch in Boxkämpfen mal eine Lippe auf und alle paar Spiele holt sich ein Fußballer im Kopfballduell eine blutige Nase oder bricht sie sich sogar.“ Der technische Anspruch, mehrere Kampfstile zu beherrschen, sowie die physische Fitness der Kämpfer werde nicht berücksichtigt – „Unsere Sportler sind die fittesten überhaupt“, sagt Cook.

Der Manager setzt daher auf Aufklärung. „Wir wollen nicht als Brutalo-Sport dastehen und müssen dafür viel tun. Das fängt damit an, dass wir den Leuten beibringen müssen, dass der Käfig kein Käfig ist, sondern ein Oktagon, das seinen Sinn hat. Die Kämpfer nutzen es in ihrer Strategie, außerdem schützt der Zaun die Sportler, weil sie bei Würfen nicht aus dem Ring fallen.“

Regeländerungen kommen nicht in Frage

Die Bedenken der Behörden respektiere man. Nachdem die Bayrische Landesanstalt für Neue Medien 2010 dem damaligen Sportsender DSF untersagt hatte, UFC-Kämpfe auszustrahlen, weil der Fernsehausschuss die „Massivität der gezeigten Gewalt für nicht akzeptabel“ hielt, überlegte die UFC, ihre Regeln anzupassen. Man habe aber schnell gemerkt, dass das nicht der Weg sein könne – die Fans wollten keine weichgespülte Version, man selbst wollte authentisch bleiben, sagt Cook.

Denn die UFC komme in Deutschland an: Immer mehr Kampfsportschulen mit Fokus auf MMA öffneten hierzulande ihre Pforten, 300.000 Besucher pro Monat aus Deutschland verzeichne die offizielle Website der UFC, dazu käme eine steigende Anzahl an Abonnenten des hauseigenen Pay-Per-View-Kanals, auf dem die Veranstaltungen gegen Gebühr übertragen werden. Nun soll der nächste Schritt folgen: „Wir sind in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem deutschen TV-Sender, der unsere Sportart übertragen möchte“ sagt Cook. Dazu stehe man in engem Kontakt zu den deutschen Landesmedienanstalten, um zu besprechen, wie Ultimate Fighting in Deutschland in Zukunft verbreiten werden könne.

Wir sind in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem deutschen TV-Sender – Garry Cook

Auch wirtschaftlich sieht Cook die UFC auf einem guten Weg. Neben bereits etablierten Sponsoren und Unterstützern wie EA Games, Ford, Motoradhersteller Harley Davidson oder dem Rasierklingenproduzenten Gillette hätten auch erste deutsche Unternehmen ihr Interesse angemeldet. Das Umfeld der Kämpfe sei ideal für Sponsoring, wirbt Cook. Das Publikum sei jung, der Großteil unter 30 Jahre, und gleichzeitig kaufkräftig.

Um dieses Potenzial umzusetzen, hofft Cook auf schlagkräftige Unterstützung aus Deutschland. „Am besten wäre es, wenn in Zukunft ein deutscher Athlet um einen UFC-Titel antreten würde, das würde uns einen Schub geben“, sagt Cook. Diese Entwicklung könnte nun mit einem so genannten UFC-Gym angeschoben werden: Von diesen offiziellen UFC-Kaderschmieden gibt es bislang nur sechs in den USA und eine im australischen Sydney – nun ist Berlin im Gespräch.

Malte Laub für Handelsblatt Online

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