Klaus-Michael Kühne: „Ich würde einen 10- bis 20-prozentigen Anteil ins Auge fassen“

Er ist Milliardär und HSV-Fan: Klaus-Michael Kühne erklärt, warum er sich vorstellen könnte, 10 bis 20 Prozent seines Lieblingsklubs zu übernehmen.

Quelle: Kühne + Nagel

Herr Kühne, wären Sie bereit, Anteile einer ausgegliederten Profiabteilung des HSV zu übernehmen?

Klaus-Michael Kühne: Ich wäre grundsätzlich bereit, Anteile an einer ausgegliederten Profi-Abteilung des HSV zu übernehmen, sofern die Rahmenbedingungen akzeptabel sind und ich mich in guter Gesellschaft mit anderen Investoren befinde.

In welcher Größenordnung wäre ein Einstieg als strategischer Investor vorstellbar? 25 Prozent sollen ja laut Ernst-Otto Rieckhoff, dem Kopf hinter der Initiative „HSV Plus“, zunächst eine Obergrenze sein.

Die Größenordnung des Einstiegs hängt von der Bewertung der Gesellschaft ab, an der ich mich beteiligen soll; es gibt hierfür nur wenig Ansatzpunkte. Soweit bis zu 49 Prozent der Anteile an einer solchen Gesellschaft zur Disposition stehen, würde ich einen 10- bis 20-prozentigen Anteil ins Auge fassen. Mir wären allerdings fünf Aktionäre mit jeweils 9,9 Prozent lieber als ein größerer Aktionär und mehrere kleinere. Im Übrigen wiederhole ich meine Empfehlung, dass auch den Mitgliedern und Fans des Vereins Gelegenheit gegeben wird – und sei es nur in bescheidenem Umfang – Anteile an einer HSV-Profi-Gesellschaft zu übernehmen.

KLAUS-MICHAEL KÜHNE

Der Hamburger übernahm als 29-Jähriger das Logistikunternehmen Kühne + Nagel, das sein Großvater mitgegründet hatte. Kühne, inzwischen im Verwaltungsrat tätig, gehören 53,3 Prozent des Logistik-Unternehmens. Forbes taxiert sein Vermögen auf 9 Milliarden US-Dollar (Stand März 2013), was ihm zum achten Rang auf der Reichstenliste in Deutschland und 95. Platz weltweit gereichte. Als Investor trat er beim HSV im Sommer 2010 in Erscheinung – und erwarb Transferrechte an mehreren Spielern. 2012 gab er ein Darlehen für den Kauf von Rafael van der Vaart.

Sie haben den HSV beim Transfer von Rafael van der Vaart mit einem Darlehen unterstützt und auch zuvor schon Transfers mitfinanziert. Was war Ihre Motivation?

Ich bin von Kindesbeinen an HSV-Anhänger und habe mich stets geärgert, dass es in der deutschen Bundesliga eine Zweiklassengesellschaft gibt mit dem absoluten Übergewicht der „superreichen“ Bayern aus München. Daher wollte ich zu einer Kräfteverschiebung beitragen und erreichen, dass der HSV in die Spitzengruppe der Bundesliga-Klubs aufrückt.

Glauben Sie, dass der HSV das Darlehen zurückzahlen kann, wenn es fällig wird, oder haben Sie den Betrag bereits abgeschrieben?

Davon bin ich fest überzeugt, denn es handelt sich hier nicht nur um einen ruhmreichen Verein, sondern eine feste Institution in der Freien und Hansestadt Hamburg.

Sie haben im Zuge des Van-der-Vaart-Transfers die Klubführung des HSV kritisiert – den Vorstandschef ebenso wie die sportliche Leitung. Was müssen Profi-Fußballklubs wie der HSV in puncto Know-how von Managern aus der Wirtschaft noch lernen? 

Schnell und mutig zu entscheiden.

Über einen „HSV-Groschen“ käme viel Geld zusammen, um mit den Bayern und Dortmund mithalten zu können. – Klaus-Michael Kühne

Die Bundesliga insgesamt hat sich zuletzt wirtschaftlich rasant entwickelt und die Umsätze Jahr für Jahr selbst in Krisenzeiten gesteigert. Nun wird jedoch immer stärker über „spanische Verhältnisse“ diskutiert, weil Bayern München und Borussia Dortmund allen enteilen. Was muss die Bundesliga Ihrer Ansicht nach tun, um ein attraktives Produkt zu bleiben?

Die Vereine, bei denen es sich lohnt – und dazu gehört in allererster Linie der HSV – müssen neben moralischer auch finanzielle Unterstützung finden und zwar von Großförderern wie mir, aber auch von der Vielzahl der Mitglieder und Fans, die einen sogenannten „HSV-Groschen“ entrichten sollten: 50 bis 100 Euro pro Mitglied beziehungsweise Fan. Da käme viel Geld zusammen, um mit den Bayern und Dortmund mithalten zu können.

Wer trägt Ihrer Ansicht nach die Hauptverantwortung dafür, dass Klubs wirtschaftlich solide wirtschaften? Das Vereinsmanagement selbst – oder die DFL, die für die Lizenzierung zuständig ist? Wie sollte das Lizenzierungsverfahren verändert werden?

Mit den Lizenzierungsverfahren der DFL kenne ich mich nicht genügend aus; in jedem Fall bin ich ein Gegner von allzu großer Reglementierung. In der “51 zu 49 Regel“ sehe ich ein großes Hindernis für die Entfaltung von professionell ausgerichteten und geführten Bundesliga-Vereinen. Auf diese Weise kann das Niveau nicht erreicht werden, wie es in Großbritannien, Italien und Spanien vorherrscht. Einseitig begünstigt werden die „Etablierten“ wie München und Dortmund sowie die Werksmannschaften wie Leverkusen und Wolfsburg. Mit einer solchen Wettbewerbsverzerrung droht die Bundesliga langweilig zu werden.

Was muss ein Investor wissen, der darüber nachdenkt, sich bei einem Profiklub zu engagieren?

Er muss wissen, dass sein Einsatz Risikokapital ist und dass im Fußball die Uhren oftmals anders gehen als in der Wirtschaft.

[Klaus-Michael Kühne antwortete schriftlich auf unsere Fragen]

Thomas Mersch und Stefan Merx für JP4

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