Hohe Renditen locken Finanzinvestoren ins Fitnessgeschäft

Private-Equity-Firmen und Promis erobern das Geschäft mit dem Körperkult: Auch Madonna baut eine globale Fitnesskette auf – und legt jetzt in Berlin los.

Schwitzen wie Madonna – für echte Fans der Pop-Ikone ein Traum. In Berlin wird er jetzt wahr. An diesem Montag eröffnete dort die erste deutsche Dependance der Kette Hard Candy Fitness (HCF), die die Sängerin mit den Finanzinvestoren New Evolution Ventures gegründet hat. Für knapp 100 Euro im Monat gehen Mitglieder nach dem markenrechtlich geschützten Motto „Harder is Better“ an ihre Grenzen.

Quelle: Jopp AG

Berlin ist der achte Standort weltweit – zum Netzwerk zählen bereits Sydney, Moskau und Toronto. Ob Schwimmbad oder Übungsraum, Madonna-Porträts zieren die Wände. Die 55-Jährige soll das Hüpf- und Dehnprogramm „Addicted to Sweat“ selbst täglich durchziehen.

Lizenznehmer im deutschsprachigen Raum ist die Jopp AG, geführt von Ralf und Jürgen Jopp. Die Brüder betreiben in Berlin acht Fitness-Studios für Frauen und planen drei weitere. Selbst halten sie von den schweißtreibenden Übungen wenig. „Wir sind Genussmenschen und achten besonders darauf, fit im Kopf zu blieben“, sagt Jürgen Jopp. Die Renditen veranschlagt er auf zehn bis 30 Prozent. „Wobei zehn Prozent eher dem Discounter zuzurechnen sind.“

Der HCF-Club auf einem früheren Militärgelände in Zehlendorf soll der Ausgangspunkt für eine rasche Expansion sein. Mindestens drei weitere Standorte wollen die Jopps in Berlin aufmachen – 35 sollen es im Lizenzgebiet werden. Niels Gronau, Senior Manager der Wirtschaftsprüfung und Beratung Deloitte, lobt den Schulterschluss zwischen der Sängerin und den Fitnessprofis: „Es ist ein cleverer Ansatz, in regionalen Märkten Experten als Partner zu haben.“

Foto: Jopp AG, Cathrin Bach

Verstärkt bringen internationale Unternehmen das Gewerbe unter Kontrolle. „Fitness wird zunehmend ein globales Geschäft“, sagt Gronau. Am Umsatz gemessen die Nummer eins in Europa ist heute die vom britischen Glam-Unternehmer Richard Branson gegründete Virgin Active. Der zyprische Easyjet-Besitzer Stelios Haji-Ioannou ist dabei, die Marke Easygym aufzubauen. Auch Finanzinvestoren haben die Fitnessbranche als lohnendes Ziel ausgemacht – und verhelfen einigen Ketten zum nötigen Kapital für eine beschleunigte Expansion.

Ende 2011 erwarb die Luxemburgische CVC Capital Partners – einer der weltgrößten Private-Equity-Investoren – 51 Prozent an Virgin Active, das auch in Asien wächst. Am Konkurrenten Health City hielt zwischen 2005 und 2013 der niederländische Investor Waterland bis zu 50 Prozent der Anteile. In dieser Zeit wurden 25 Akquisitionen getätigt und über 50 Clubs neu eröffnet. Anfang September haben die Health-City-Gründer um CEO René Moos die Anteile zurückgekauft.

Deloitte: Transaktionen von über 1,5 Mrd. Euro

Die Transaktionen im europäischen Fitnesssektor erreichten in diesem Jahr laut Deloitte bereits ein Volumen von über 1,5 Milliarden Euro. Der größte Abschluss war die Übernahme der britischen David Lloyd Leisure durch TDR Capital für kolportierte 830 Millionen Euro. Auch deutsche Investoren steigen ein. Die Nord Holding – beteiligt sind unter anderem die Nord LB und norddeutsche Sparkassen – hat jüngst 65 Prozent am Anbieter Jumpers in Rosenheim übernommen. „Wir verfolgen eine klare Wachstumsstrategie“, sagt Matthias Kues, Sprecher der Geschäftsführung der Nord Holding. Die Basis sei ein gut skalierbares Konzept im Discountsegment. „Wir haben auch interessante Auslandsmärkte identifiziert, sehen derzeit aber noch genügend Wachstumsmöglichkeiten im Inland, besonders in Mittelstädten.“

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In einer Deloitte-Studie zum europäischen Fitnessmarkt, die in Kürze erscheint, beschreiben die Berater zwei Trends: hin zu Discount- oder Premium-Angeboten. Manche Anbieter legen Zwei-Marken-Strategien auf. Health City etwa wirbt in „Basic Fit“-Studios auch um sparsame Ertüchtigungswillige.

Deutschland ist bedeutendster Markt in Europa – und wächst weiter. Die Zahl der organisiert Fitnesstreibenden legte schon von 2004 bis 2012 von 4,4 auf 7,9 Millionen stark zu. Gemessen an der Kundenzahl ist der von den Boxer-Brüdern Klitschko beworbene Discount-Anbieter McFit mit 1,2 Millionen Mitgliedern der Marktführer.

160 McFit-Clubs stehen in Deutschland – neun weitere in Österreich, 17 in Spanien. Künftig will McFit international wachsen: 2014 ist der Start in Polen und Italien geplant. Finanzinvestoren würden gerne mitmachen. Doch Eigentümer Rainer Schaller lässt das nicht zu. „Wir bekommen regelmäßig Anfragen“, sagte McFit-Sprecherin Nicola Pattberg. „An einen Verkauf ist weder in Teilen noch als Gesamtunternehmen zu denken.“

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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