Ulf Baranowsky (VDV): „Spieler sollten ihre Berater selber bezahlen“

Die meisten Profikicker haben keine Ahnung, was ihr Berater an ihnen verdient, kritisiert Ulf Baranowsky. Er fordert Transparenz im Vermittlergewerbe und die Umkehr der Machtverhältnisse.

Quelle: VDV

Ulf Baranowsky ist Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). Der Verein vertritt als vom DFB, Ligaverband und DFL offiziell anerkannte Spielergewerkschaft die Interessen der Fußballprofis in Deutschland und unterstützt nach eigenen Angaben über 1.300 Mitglieder in den Bereichen Vorsorge, Recht, Bildung, Medizin und Training.

Herr Baranowsky, Mitte Oktober wurde das Urteil des Bundesfinanzhofs zur Frage der steuerlichen Behandlung von Spielerberaterhonoraren bekannt. Hat sich die Dreiecksbeziehung zwischen Klub, Spieler und Vermittler schon verändert?

Die Rechtsgelehrten sind sich noch nicht einig, welche Folgen der Richterspruch haben wird. Hier gilt es zunächst, die weitere Entwicklung abzuwarten.

Aber der Bundesfinanzhof hat die elementare Frage, wer eigentlich Auftraggeber der Berater ist und sie zumindest mitbezahlen muss, im Entscheid doch beantwortet: die Spieler. Die Praxis, dass Klubs künftig den Berater komplett bezahlen und die Mehrwertsteuer geltend machen können, scheint damit erledigt. Was wird geschehen? 

Ganz so einfach scheint die Sachlage nicht zu sein. Unabhängig davon empfehlen wir als VDV den Spielern aber schon seit langer Zeit, ihre Spielervermittler selber zu beauftragen und zu bezahlen.

Warum sollten sie das tun?

Erstens ist damit die Loyalitätsfrage geklärt; ebenso die Zahlungstransparenz gesichert.  Zudem ist die Provision für den Spielervermittler in diesem Fall gesetzlich gedeckelt und zwar auf maximal 14 Prozent eines einzigen Jahresgehalts – unabhängig von der darüber hinausgehenden Laufzeit des Arbeitsvertrags. Ferner können die Spieler diese Zahlungen dann auch noch steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Wenn der Klub hingegen Auftraggeber des Spielervermittlers ist und diesen bezahlt, ist die Höhe der Provision frei verhandelbar. In der Praxis liegt sie zwischen acht und zwölf Prozent der Gesamtbezüge des Spielers über die komplette Vertragslaufzeit. In einigen Fällen, sind die Klubs sogar bereit, noch höhere Provisionen zu zahlen.

Seriöse Spielervermittler sollten keine Probleme damit haben, sich direkt von Spielern beauftragen und bezahlen zu lassen. – Ulf Baranowsky

Bei den Beratern machen Sie sich damit sicher keine Freunde …

Für sie springen in den meisten Fällen höhere Provisionen dabei heraus, wenn – wie in den meisten Fällen bisher – der Klub zahlt. Und bedauerlicherweise hat es zuletzt in der Tat von einigen Spielervermittlern Beschwerden darüber gegeben, dass wir uns als Spielergewerkschaft für mehr Transparenz einsetzen und die Profis sowie Talente und deren Eltern verstärkt mit Tipps und Warnhinweisen zu diesem Thema versorgen. Umgekehrt sollten seriöse Spielervermittler keine Probleme damit haben, sich direkt von Spielern beauftragen und bezahlen zu lassen.

Wo sehen Sie die größten Informationsdefizite?

Fakt ist, dass die Klubs Budgets dafür haben, was einzelne Spieler inklusive Vermittlerhonoraren kosten dürfen. Die Profis müssen also erkennen, dass ein teurer Spielervermittler ihre Einkünfte mindert. Leider wissen nur wenige Spieler, wie viel Geld Spielervermittler mit ihnen verdienen. Denn es gibt in Deutschland keine Transparenzpflicht  und es gibt bis heute kein Clearing-House, das diese Zahlen offenlegt. Dies gilt es zu ändern!

Welche Rolle spielen die Klubs, die ja gerne über die Berater schimpfen?

Den Klubs ist es relativ egal, wer wie viel bekommt. Hauptsache, der gewünschte Spieler kommt! Deshalb sind sie grundsätzlich bereit, sehr viel Geld an Spielervermittler zu zahlen.

Muss man das Ganze also streng deckeln?

Ein Spieler kann als Auftraggeber ohnehin eine geringere Vergütung vereinbaren. Der Weltfußballverband FIFA hat statuarisch festgelegt, dass die Provision drei Prozent vom Grundgehalt beträgt, falls der Spieler und der Spielervermittler nichts anderes vereinbart haben. Eine generelle Begrenzung auf zu niedrigen Niveau kann aber auch für die Spieler nachteilig sein. Denn dann dürfte es beispielsweise für einen Regionalligaspieler mit einem Gehalt von 1.500 Euro im Monat schwierig werden, überhaupt einen Spielervermittler zu finden.

Ganz konkret müssen viele Klubs beträchtliche Nachzahlungen an die Finanzämter und auch künftig höhere Kosten für Spielertransfers befürchten. Was wird geschehen?

Wie die Sache am Ende ausgehen wird, ist noch offen.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Thomas Mersch für JP4

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