Martin Kind: „Neue Marktpreise im Beratergeschäft“

96-Präsident Martin Kind wünscht sich, dass künftig Spieler ihre Berater selbst bezahlen müssen. Dieser grundlegende Wechsel könne die Kontrolle verbessern – und auch zu „neuen Marktpreisen“ führen.

Quelle: Kind Hörgeräte

Martin Kind ist Geschäftsführer der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA und Präsident von Hannover 96.

Wie wird sich Ihrer Ansicht nach der jüngste Entscheid des Bundesfinanzhofs zur steuerlichen Bewertung von Beraterhonoraren auf die Zusammenarbeit zwischen Klubs und Beratern auswirken?

Die Vertragsbeziehungen sind individuell zu prüfen. Wir gehen derzeit davon aus, dass Vertragsbeziehungen bei Hannover 96 ausschließlich zwischen Spielervermittler und Verein bestehen, würden es aber für die Zukunft begrüßen, wenn es eine Verständigung aller Vereine mit dem Beraterwesen gibt, dass diese ausschließlich im Auftrag der Spieler arbeiten und demzufolge die Spieler die Honorare der dann von ihnen beauftragten Berater übernehmen.

Haben Sie schon ausgerechnet, was das Urteil für Ihren Klub oder die Bundesliga finanziell bedeutet?

Wir gehen derzeit davon aus, dass das Urteil für Hannover 96 keine direkte finanzielle Bedeutung hat. Zunächst einmal hat der BFH eine Vertragsbeziehung zwischen Klubs und Spielervermittlern nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Wie erwähnt gehen wir davon aus, dass in allen von Hannover 96 abgeschlossenen Verträgen ausschließlich eine Vertragsbeziehung zwischen Klub und Spielervermittler zustande gekommen ist.

Experten bemängeln, dass das bisherige Vorgehen für Spieler oft nicht transparent ist – und diese sogar an entscheidenden Punkten ausgeschlossen werden. Ist der BFH-Entscheid eine Chance für mehr Fairness im Beratungsgeschäft?

Transparenz in alle Richtungen ist wünschenswert. Ob dies zu mehr Fairness führt, ist für uns derzeit nicht zu bewerten.

Werden Spieler eine Kontrollfunktion für Spielervermittler übernehmen, wenn sie diese selbst bezahlen müssen?

Sollten Leistungsbeziehungen zwischen Spieler und Berater zustande kommen, gehen wir schon davon aus, dass die Spieler Leistung und Honorar kontrollieren. Dies kann auch zu neuen Marktpreisen führen.

Für die Klubs wird es nur begrenzt möglich sein, Zusatzkosten zu übernehmen. – Martin Kind

Werden mögliche Zusatzkosten von den Klubs geschultert – und es geht weiter wie gehabt?

Ein Teil der Bundesligaklubs ist nur begrenzt profitabel, so dass es für die Klubs nur begrenzt möglich sein wird, Zusatzkosten zu übernehmen.

Erachten Sie es denn als wahrscheinlich, dass nun eine Deckelung von Spielervermittlerhonoraren zustande kommt? Und gibt es einen Prozentsatz, den Sie für angemessen halten?

Eine Tarifierung wäre aus unserer Sicht im Sinne der Transparenz sinnvoll und wünschenswert. Inwieweit eine Kontrolle eines entsprechenden Tarifs erfolgen könnte und Mißbrauch verhindert werden kann ist zu klären.

DFL-Geschäftsführer Rettig sagte jüngst: „Es ist das Ziel der DFL, den Berufsverband der Berater zu stärken“ – auch um unseriöse Praktiken zu stoppen. Hat er hier die Unterstützung der Klubs?

Ein seriöses Beraterwesen ist für alle Seiten wünschenswert. Inwieweit dies durch den Berufsverband sichergestellt werden kann, entzieht sich unserer Kenntnis.

Haben Sie vielen Dank für das Interview.

[Martin Kind antwortete schriftlich auf unsere Fragen]

Stefan Merx für JP4

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