Nachhaltigkeit: Sportartikler wetteifern um die Gunst kritischer Kunden

Sportartikelhersteller geraten immer wieder durch Misstände bei Zulieferern in die Kritik. Durch verantwortliches Wirtschaften wollen sie ihr Image verbessern.

Greenpeace ließ die Sportartikler gegeneinander antreten – und meldete Ende Juli den Zieleinlauf: „Puma hat das erste Detox-Rennen gewonnen.“ Im Rahmen ihrer „Detox“-Kampagne, die für den Verzicht auf gefährliche Chemikalien bei der Textilproduktion eintritt, hatte die Umweltorganisation zuvor gegen zwei chinesische Textilfabriken protestiert, die Adidas, Nike und Puma beliefern. Das Puma-Management reagierte rasch – und versprach, die Schadstoffe bis 2020 zu verbannen. Nike und Adidas zogen nach.

Quelle: Adidas

Gift in chinesischen Fabriken, Raubbau bei der Rinderzucht in Brasiliens Regenwald, Ausbeutung von Beschäftigten in Mittelamerika – immer wieder geraten Sportartikelhersteller durch Missstände bei Zulieferern in die Kritik. Davon angestachelt haben die Marktführer Nike, Adidas und Puma beim verantwortlichen Wirtschaften vorgelegt. „Der Abstand zwischen den drei Großen und dem Rest der Branche ist deutlich“, sagt Makiko Ashida, Analystin Konsumgüter der Bank Sarasin.

Für Reiner Hengstmann, bei Puma für Umwelt und Soziales verantwortlich, dient das Engagement nicht nur der Verbesserung des Firmenimages: „Langsam erkennen auch unsere Zulieferer in Asien, dass Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor ist, sondern sich zu einem Profit-Center entwickeln kann.“ Über 400 Betriebe produzieren weltweit für Puma. Eine Reihe von ihnen nutze inzwischen erneuerbare Energie oder moderne Abwasseraufbereitung.

Im Mai hat Puma eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) vorgestellt – sie betrachtet zunächst Klimagase und Wasser. Ergebnis: Puma verursachte im Jahr 2010 Umweltkosten von rund 94 Millionen Euro. „Wenn die Natur ein Bankkonto hätte, müssten wir dieses Geld eigentlich darauf einzahlen“, sagt Hengstmann. Unmittelbare rein monetäre Folgen gebe es aber nicht. Allerdings würden die Ergebnisse in strategische Entscheidungen einbezogen. Noch in diesem Monat will Puma erläutern, wie die Berechnung auf soziale Faktoren ausgeweitet wird.

Soziale Fragen hat auch Adidas im Blick. In 400 chinesischen Zulieferwerken wurden Arbeiter-Hotlines eingerichtet – zusammen mit einer lokalen Organisation, die die Rechte der Beschäftigten vertritt. 65 Experten weltweit überwachen für Adidas die Lieferanten. „Aufgrund der Größe der internationalen Beschaffungskette sind wir nicht ständig in der Lage, alles zu prüfen“, sagt Frank Henke, Direktor für Soziales und Umwelt. Es gebe ein System zur Risikoabschätzung: „Die Häufigkeit der Besuche hängt ab von der Nachhaltigkeitsleistung des Betriebs.“

„Fertigung in kritischen Ländern ist ein Grundproblem“, sagt Eckhard Plinke, Leiter Sustainability Research der Bank Sarasin. „Es gibt etwa in puncto Arbeitsbedingungen kein Unternehmen, das eine 100-prozentig reine Weste hat.“ Die Zusammenarbeit mit Zulieferern in Schwellenländern aber habe sich verändert: „Früher haben Markenartikler diese über eine Auditierungsmannschaft kontrolliert. Die Prüfer wurden mit falschen Dokumenten gefüttert und über den Tisch gezogen. Die jetzige Strategie lautet: sich mit den Leuten vor Ort zusammensetzen und Mitarbeiterschulungen machen.“

Thomas Mersch für das Handelsblatt

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