Sharp spielt im Handball über Bande

Über eine Kooperation mit der Handball-Champions-League will der Elektronikkonzern Kunden für neuartige Werbedisplays gewinnen.

Quelle: Sharp

Die digitale Revolution ließ auf sich warten. Bis zur letzten Saison stammte die Technik für die Bandenwerbung in der Champions League des Handballs aus dem vergangenen Jahrhundert. Botschaften und Logos von Sponsoren wurden auf Holzvorrichtungen geklebt. In der aktuellen Spielrunde setzt der europäische Handballverband EHF mit seiner Königsklasse auch am Rand des Spielfelds Glanzlichter. Unternehmen können sich animiert und digital inszenieren – mit dem modernsten Bandensystem, das derzeit verfügbar ist.

Um mehr Sponsoreneinnahmen zu generieren, steigen Klubmanager verschiedener Sportarten bei der Bandenwerbung auf High Tech um. Bislang nutzen sie vor allem Systeme mit Leuchtdioden (LED). Nun holt der Elektronikkonzern Sharp zum großen Wurf aus. Mit der Flüssigkristall-Variante (LCD), die in der Handball-Champions-League im Einsatz ist, peilt er in Sportarenen die besten Plätze an.

Bandenwerbung zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen von Sportvereinen. Um die 80 Meter stehen im Handball zur Verfügung, im Fußball dank größerem Spielfeld das Dreifache. Nicht jeder Platz hat aber den gleichen Preis. „Die Flächen im Schwenkbereich der TV-Kameras bieten die größte Reichweite und damit auch den höchsten Werbewert“, sagt Rolf Weigel, Direktor des Sportvermarkters Infront.

Als größten Vorteil von digitaler Bandentechnik sieht Weigel die „hohe Flexibilität bei der Einspeisung“: „Es ergeben sich mehr Möglichkeiten, eine Marke bei Sportevents in Szene zu setzen“ – etwa durch Animationen. LED-Banden aber haben Defizite: Schnelle Kameraschwenks und Nahaufnahmen verwischen die Schriftzüge im Fernsehen. Auch bei Farben und der Helligkeit kann es Probleme geben. Um diese Effekte zu verhindern, müssten Sender nach Ansicht von Experten Kameraführung und Einstellungen eng mit den Vermarktern abstimmen. Darauf aber ließen sich die TV-Verantwortlichen nicht ein.

Sharp will nun dafür sorgen, dass die Probleme gar nicht erst auftauchen. Basis dafür ist die LCD-Technik, die sich bei TV-Bildschirmen oder Computermonitoren schon länger bewährt hat. Auf die Bandenwerbung für Sporthallen angepasst wurde sie von Sharp-Ingenieuren in Deutschland. „Die Auflösung ist zehn- bis zwölfmal so hoch wie bei klassischen LEDs“, sagt Sharp-Geschäftsführer Maximilian Huber. „Dementsprechend kann da nichts verpixeln. Auch die Farbtreue ist viel näher am Original.“

Rabatt gegen Fläche

Doch die laut Hersteller Sharp überlegene Technik hat ihren Preis. Die Basis-Version ist mit bis zu 8000 Euro pro Meter schon so teuer wie eine hochwertige LED-Bande. Bessere Systeme kosten bis zu 12000 Euro. „Das hätten wir uns nie leisten können“, sagt Peter Vargo, Geschäftsführer der EHF-Marketingtochter. Deshalb machte er mit Sharp-Geschäftsführer Huber, früher selbst Profi-Handballer, einen Deal: Sharp räumt einen Rabatt ein und erhält im Gegenzug kostenlose Werbefläche. Die Firma kann die Systeme so in der Praxis testen und der Öffentlichkeit präsentieren – um neue Abnehmer zu werben.

Die Strategie scheint aufzugehen. Im Hallenfußball, Tennis und in der Leichtathletik soll es Interessenten geben. Offiziell will das aber niemand bestätigen. Auch Sharp macht zu konkreten Verhandlungen keine Aussagen. Allein der internationale Basketballverband Fiba erklärt auf Nachfrage, in Gesprächen mit der Firma zu stehen. „Es scheint so, dass LCDs die viel bessere Lösung für uns sind als LED“, sagt Predrag Bogosavljev, der Fiba-Verantwortliche für Events wie Welt- und Europameisterschaften.

Beim Einsatz digitaler Banden ist die richtige Dosierung wichtig. „Wer sie mit einem statischen Logo bespielt, verschenkt die technischen Möglichkeiten“, sagt Oliver Michels, Geschäftsführer der Sponsoringberatung Ajoint. „Wenn man aber wild animiert oder zu viele Botschaften einbindet, kann es zu Ablehnung bei den Zuschauern führen.“ Prinzipiell aber seien „solche Innovationen zu begrüßen“.

Derweil plant Sharp den nächsten Schritt: Noch können LCD-Systeme wegen geringer Leuchtkraft nur in geschlossenen Räumen eingesetzt werden. Das große Geschäft in Fußballstadien und damit auch der lukrativste Markt bleibt vorerst verwehrt. „Wir arbeiten an einem System für Outdoor-Events“, sagt Huber. Ende nächsten Jahres soll es spätestens einsatzbereit sein.

David Meiländer für das Handelsblatt

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