Thomas Hitzlsperger outet sich

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler macht seine Homosexualität kurz nach seinem Karriereende öffentlich.

Quelle: Panini, mx

Der frühere Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat sich im Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ erstmals öffentlich zu seiner Homosexualität geäußert. Damit ist der 31-Jährige, der 2013 seine Karriere in Everton nach vielen Verletzungen beendet hatte, der erste deutsche Profifußballer, der sich so klar positioniert. „Ich möchte gerne eine öffentliche Diskussion voranbringen – die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern“, sagte Hitzlsperger in dem Interview, das am Donnerstag erscheint.

Das Outing löste zahlreiche Reaktionen aus – selbst im Bundeskanzleramt: „Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen nur aus Angst vor Intoleranz“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es sei gut, dass Hitzlsperger öffentlich gemacht habe, „was ihm wichtig ist, was ihn möglicherweise auch befreit“. Ex-Bundesaußenminister Guido Westerwelle gratulierte Hitzlsperger zu seinem Outing: „Dieser Mut verdient Respekt. Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist.“ Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland kommentierte die Veröffentlichung enthusiastisch: „Seine offenen Worte sind ein Volltreffer: für uns das Tor des Monats!“

Im Gespräch mit der „Zeit“ sagte Hitzlsperger, dass er vor der Veröffentlichung auch mit Bundestrainer Joachim Löw und dem Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, gesprochen habe. „Sie haben das zur Kenntnis genommen – natürlich positiv“, sagte Hitzlsperger. In der Kabine hat der Sportler auch anderes erlebt: „Schwul ist als Schimpfwort im Fußball immer noch verbreitet“, sagte er im Interview. „Es gibt dumme Sprüche, dumme Witze – die darf man nicht auf die Goldwaage legen.“

Unterstützung vom DFB

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sicherte Hitzlsperger, der insgesamt 52 Spiele für das Nationalteam bestritt, volle Unterstützung zu. „Thomas Hitzlsperger war zu seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte – und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Dem DFB war lange Zeit vorgeworfen worden, sich zu zögerlich dem Thema zu nähern. Im Sommer 2013 hatte der Verband eine Broschüre veröffentlicht, in dem er Spielern und Vereinen Tipps an die Hand gab, wie mit einem bevorstehenden Outing umgegangen werden könne.

Skeptisch äußerte sich Niersbach jedoch auch jetzt noch über ein mögliches Outing eines noch aktiven Bundesligaprofis: „Man weiß nie, wie das große Publikum in den Stadien vor allem bei Auswärtsspielen reagiert.“

Hitzlsperger spielte in England für Aston Willa, West Ham United und zuletzt für den FC Everton. In Deutschland wurde er 2007 mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister und spielte beim VfL Wolfsburg.

Engagement gegen homophobe Politik

Für „Zeit Online“ war er von 2009 bis 2013 als Kolumnist tätig – und äußerte sich dort im Herbst 2012 auch ausführlich zum Thema. Damals schrieb er, ein Spieler müsse damit rechnen, dass bei einem Outing als „Worst Case“ das Karriereende eintreten könne – andererseits könne ein offen schwuler Fußballer zum Vorbild werden.

Den Schritt in die Öffentlichkeit hat Hitzlsperger sorgfältig vorbereitet. Sein Webauftritt war am Mittwoch deaktiviert. Für Medienanfragen wurde auf einen Pressesprecher verwiesen. Am Donnerstag (ab Mitternacht) soll die Homepage mit einem Videostatement wieder online gehen. Das aktuelle Interview zum Thema Homosexualität hatte Hitzlsperger selbst initiiert. Jetzt nach dem Ende der Karriere sehe er genug zeitliche Freiräume, sich in dieser Diskussion mit einzubringen, sagte er im Gespräch.

Zudem stimme der Zeitpunt im Hinblick auf eine bevorstehende sportliche Großveranstaltung: „Die Olympischen Spiele von Sotschi stehen bevor, und ich denke, es braucht kritische Stimmen gegen die Kampagnen mehrerer Regierungen gegen Homosexuelle“, sagte Hitzlsperger im „Zeit“-Interview.

Manuel Heckel für das Handelsblatt

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