DFL: Faire Zweitmarktlösung soll Schwarzhändler stoppen

Mit einer zentralen Ticketbörse will die Bundesliga den Schwarzmarkt austrocknen. Klubs suchen gemeinsam nach Wegen zur kontrollierten Kartenweitergabe.

Foto: Merx

Bisher lieferten sich Schwarzmarkthändler vor den Stadien mit dem Ordnungsamt ein Katz-und-Maus-Spiel. Inzwischen hat sich das Verticken von Karten im großen Stil ins Internet verlagert. Bei Top-Spielen wie am Freitag dem Klassiker Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München wurden Tickets zu wahren Wertpapieren: Auf Internetmarktplätzen wie Viagogo waren tausendprozentige Preisaufschläge keine Seltenheit.

Der schwunghafte Handel mit überteuerten Fußball-Tickets ruft die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf den Plan. Am Freitag (31.1.) tritt nach Informationen des Handelsblatts erstmals eine Projektgruppe zusammen, um übergreifende Spielregeln für den Weiterverkauf auf dem sogenannten Zweitmarkt zu erarbeiten. Ziel ist es, gewerbliche Trittbrettfahrer davon abzuhalten, die in der Bundesliga bewusst sozialverträglich gesetzte Preisstruktur auszuhebeln. „Die Liga braucht faire Preise für Fans“, sagt DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

Interviews und Hintergründe zum Thema:
Andreas Rettig (DFL): „Neue Regeln und eine zentrale Ticketbörse“
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Vorzeitige Kündigung auf Schalke
Viagogos zukünftige Ex-Freunde – eine Bestandsaufnahme

Eine einheitliche Linie gegen die Abzocke zu finden, fiel der Liga bisher schwer. Ticketing ist Hoheitsgebiet der Klubs. Mit juristischen Mitteln ist der Kartenhandel schwer zu stoppen. Und etliche Vereine, darunter Bayern München, ließen sich auf Kooperationsverträge mit dem in der Schweiz registrierten Unternehmen Viagogo ein – und kassieren in teils siebenstelliger Höhe mit.

Preistreiberei und Sicherheitsprobleme

Andere Spitzenklubs wie Bayer Leverkusen oder jüngst auch Borussia Mönchengladbach versuchen dagegen, Viagogo mit einstweiligen Verfügungen Einhalt zu gebieten. Nicht nur Preistreiberei auf dem Rücken der Fans erzürnt manchen Klubchef, sondern auch Sicherheitsprobleme können auftreten, wenn Eintrittskarten über den Wildwuchs auf Ticketbörsen in die falschen Hände geraten.

Zur Eskalation führte der Streit um den Zweitmarkt beim Hamburger SV und auf Schalke: Beide Klubs kündigten nach massiven Fanprotesten die Verträge mit Viagogo vorzeitig. Auf einer turbulenten Jahreshauptversammlung im Juni sagte Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst: „Wir haben verstanden, dass wir mit Viagogo einen Schritt zu weit gegangen sind.“ Kurz darauf sprach der Verein die Kündigung aus, es folgte ein Rechtsstreit und die am Donnerstag vollzogene Rückkehr zur Wiederverkaufsplattform „Fansale“ der CTS Eventim.

CTS Eventim gewinnt mit „Fansale“ wieder an Boden

Dort dürfen Karten nur zum Nennwert plus 15-prozentiger Gebühr weitergegeben werden. Eine Schnittstelle ins Klubticketing soll Fälschungen ausschließen. „Wir überprüfen so die Echtheit der Karten“, sagt Karsten Elbrecht, Geschäftsführer von CTS Eventim Sports. „Weitere Bundesligisten werden sich noch in diesem Jahr dem System anschließen.“

„Wir können den Fans die Ticketweitergabe nicht immer nur verbieten, ohne dauerhaft eine Alternativlösung anzubieten.“ – Carsten Cramer, BVB

Foto: BVB

Schalke-Vorstand Jobst gehört der neuen DFL-Arbeitsgruppe ebenso an wie Carsten Cramer, Marketingdirektor von Borussia Dortmund. Der Klub hat noch kein eigenes Konzept für die sichere Weitergabe von nicht benötigten Tickets zu fairen Konditionen entwickelt. „Es ist vernünftig, dass sich die Bundesliga jetzt in diesen Prozess einbringt“, sagt Cramer. „Wir können den Fans die Ticketweitergabe nicht immer nur verbieten, ohne dauerhaft eine Alternativlösung anzubieten.“ Es gehe um Service, Preisaufschläge kämen nicht in Frage.

Wie ein Zentralangebot der Liga aussehen könnte, ist offen – und wegen bestehender Verträge komplex. Die Realisierung einer Plattform, an der die Klubs andocken könnten, sei nicht vor 2015 zu erwarten, ließ Rettig wissen.

Erst- und Zweitligisten wünschen von der DFL eine Zweitmarktlösung

Die Liga spürt steigenden Druck, das Schwarzmarkt-Problem zu lösen. Das zeigen Ergebnisse einer internen DFL-Umfrage, die am 8. Januar den 36 Klubs präsentiert wurde. Vier von fünf Vereinen wünschen sich, so Rettig, eine aktivere Rolle der DFL bei diesem Thema. Viele stehen in den Startlöchern: Zwei Drittel der Erst- und Zweitligisten haben noch keine eigene Tauschplattform. Doch 71 Prozent jener Klubs seien an einer solchen sehr interessiert.

Der VfL Wolfsburg geht mit einer eigenen Lösung für Dauerkartenbesitzer voran: „Wir sind in der letzten Testphase und werden unsere Tauschbörse noch bis Ende Januar online stellen“, sagt Geschäftsführer Thomas Röttgermann. Er begrüßt auch das gemeinsame Vorgehen der Liga. „Es geht nicht um Zusatzeinnahmen. Ziel ist, dass mit den Karten keine Mondpreise wie bei manchen kommerziellen Tauschbörsen erzielt werden.“

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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