Die US Open werden zur Geldmaschine

Tennis behauptet sich in den USA als erstklassige Werbeplattform. Doch auch der ferne Osten lockt noch mit hohem Potenzial.

Wall-Street-Milliardäre lieben Tennis. George Soros spielt seit langem, auch Hedge-Fonds-Manager Bill Ackman schwingt den Schläger. Milliardär Raj Rajaratnam war früher bei den New Yorker US Open zu Gast – angeblich, um auf der Tribüne Anlagetipps zu ergattern.

Quelle: Jennifer Liquido auf Flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Die Jagd nach vertraulichen Infos wurde Rajaratnam zum Verhängnis: Im Mai befand ihn eine Jury des Insiderhandels für schuldig. Das bis Sonntag laufende Tennisturnier gilt unter Bankern ungeachtet der schwierigen wirtschaftlichen Lage als erstklassige Gelegenheit zum zwanglosen Informationsaustausch.

Sponsoren nutzen alle Kanäle

Der Tennisverband USTA setzt mit den US Open geschätzte 250 Millionen Dollar um, die Hälfte streicht er als Gewinn ein. Ein großer Teil der Einnahmen stammt aus dem Verkauf der TV-Rechte und aus Sponsoring-Verträgen. Unternehmen bekommen auch Werbekanäle in den neuen Medien geboten: So wurde die offizielle iPhone-App der USOpen 2010 mehr als 670000-mal heruntergeladen. 12,4 Millionen Besucher schauten sich zudem die Webseite des Turniers an, auf der erstmals die Finalspiele live in 3-D übertragen wurden. „Die USOpen haben ein starkes Sponsorenportfolio, sie werden weiter Werbepartner anziehen“, sagt William Chipps vom US-Institut IEG. Die Veranstalter rechnen mit über 700000 Zuschauern vor Ort.

Die guten Perspektiven bestätigte im Frühjahr die Ratingagentur Fitch: Sie bewertete die Anleihen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar, die der Verband für den Ausbau der Anlage im New Yorker Stadtteil Queens begeben hatte, mit der Note A. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist damit im Vergleich zu anderen Bonds aus dem Sportbereich extrem gering.

Auch die Region profitiert: Allerdings ist der ökonomische Effekt umstritten: Der Verband verweist auf eine mehr als zehn Jahre alte Studie, derzufolge die Metropolregion zusätzlichen Umsatz von rund 420 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Zahl sei um das Zehnfache übertrieben, entgegnet Wirtschaftsprofessor Victor Matheson vom College of the Holy Cross. „Tennisfans ersetzen andere Touristen, zudem verdienen lokale Geschäfte weniger, weil das Geld stattdessen für die USOpen ausgegeben wird“, sagt er.

Unbestritten jedoch ist: Der Tennissport in den USA befindet sich auch dank der US Open im Aufschwung. 2009 spielten nach USTA-Angaben erstmals seit 20 Jahren wieder mehr als 30 Millionen Amerikaner Tennis. Laut einer Studie der Industrievereinigung Sporting Goods Manufacturers Association gab es zwischen 2000 und 2010 ein Wachstum von 46 Prozent – mehr als in jedem anderen Traditionssport. Der Umsatz mit Tennis-Equipment erreichte 2010 in den USA 811 Millionen Dollar.

China entdeckt den weißen Sport

Weltweit stößt der weiße Sport vermehrt auf Zuspruch. Laut IEG-Studien gaben Unternehmen 2010 rund 600 Millionen Dollar für Tennis-Sponsoring aus, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Studienautor Chipps erwartet für 2011 eine ähnliche Zunahme – auch dank des hohen Interesses in Fernost: „Der chinesische Markt wird eine starke Rolle im Wachstum spielen. Sponsoring gewinnt bei dortigen Unternehmen schnell an Akzeptanz.“

Eine herausragende Rolle schreibt Chipps der Popularität von Li Na zu. Die Chinesin hat dieses Jahr als erste Asiatin die French Open gewonnen. 116 Millionen Landsleute verfolgten nach Angaben des Senders CCTV das Finale am Fernseher. Die Zahl der Aktiven in China wuchs laut Women’s Tennis Association von einer Million 1988 auf heute 14 Millionen an.

Für globale Unternehmen, die in China Wachstumspläne hegen, ist der Tennissport ein wichtiges Marketing-Vehikel. Mercedes-Benz beispielsweise nahm Li Na nach ihrem French-Open-Sieg unter Vertrag. Der Autohersteller sponsert auch die China Open in Peking und den chinesischen Tennisverband. Bei den US Open jedoch enttäuschte die chinesische Hoffnungsträgerin dieses Jahr – Li Na schied bereits in der ersten Runde aus. Mercedes-Benz allerdings wird in New York auch so einen Werbeeffekt erzielen: Die Deutschen sind Automobilpartner des Turniers.

Ingmar Höhmann für das Handelsblatt

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