Fadi Naoum (SAP): „Große Nachfrage aus der Bundesliga“

SAP bietet Klubmanagern neuerdings die Vereinssteuerung per iPad. Alle wirtschaftlich relevanten Daten sind in Echtzeit verfügbar, erklärt SAP-Manager Fadi Naoum.

 

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Fadi Naoum leitet den Bereich „Sports & Entertainment“ bei SAP.

Herr Naoum, wenn der Geschäftsführer von 1899 Hoffenheim, Frank Briel, in der Halbzeitpause auf sein iPad schaut, könnte es sein, dass er sich nicht für die Spielstände der Konkurrenz interessiert. Sie haben ihm ein „Management-Dashboard“ an die Hand gegeben. Was fängt er damit an?

Er kann sich die Veranstaltung in Echtzeit unter wirtschaftlichen Aspekten anschauen. Das Management-Dashboard gibt einen Überblick über die Umsätze schon während des Spiels und auch für die gesamte Saison: Wie läuft das Ticketing? Was passiert in den Shops, was beim Catering? Wie viele Ausgaben habe ich für Hostessen, für Security?

Ist die Anwendung in Hoffenheim ein SAP-Showcase für den Rest der Liga?

Ja, das auch. Aber wir möchten vor allem den Klubs Nutzen bringen – nämlich nahtlose Prozesse. Ein Ticketkauf landet direkt in der Buchhaltung, ich sehe also pro Event sofort die Profitabilität. Die kann ich jetzt auf dem iPad vergleichen mit demselben Spiel der vorherigen Saison. Der Nutzer definiert, was er in welcher Tiefe abbilden will. Etwa auch: Was zahlen die Sponsoren heute, was haben sie vor einem Jahr bezahlt?

Ist das mehr als eine Spielerei? Muss das ein Geschäftsführer in Echtzeit haben?

Der Vorteil: Der Manager bekommt schnell einen bilanziellen Überblick über sein komplettes Unternehmen, das müsste er sich sonst mühsam zusammensuchen. Er kann jederzeit bis auf die Buchhaltungsebene runtergehen, wenn er möchte. Wer einmal investiert, hat es durch die Integration aller Daten später leichter.

Wir sind in engen Gesprächen mit mehreren Bundesligisten und spüren große Nachfrage. – Fadi Naoum

Wo ist solch ein Dashboard noch im Einsatz?

Beispielsweise in der SAP Arena in Mannheim. Der dortige Geschäftsführer Daniel Hopp hat die Gelegenheit, sich jederzeit über seine Events auf dem iPad zu informieren. Während er etwa ein Spiel der Adler Mannheim ansieht, kann er auch verschiedene andere Veranstaltungen – etwa Konzerte und Handballspiele – in der Gewinn- und Verlustrechnung miteinander vergleichen.

Video: Fadi Naoum demonstriert das Dashboard am Beispiel Hoffenheim

Welche Fußballklubs haben Sie als Kunden?

Hoffenheim hat die Gesamtlösung installiert, den Prototypen werden wir dort bis Ende des Jahres fertigstellen. Andere Klubs fangen mit einzelnen Bausteinen an, wir arbeiten mit offenen Schnittstellen und passen die Größe der Lösung auf die Bedürfnisse jedes Klubs an. Jahn Regensburg arbeitet mit SAP Event Ticketing. Der 1. FC Nürnberg nutzt das SAP ERP-System, so auch Dynamo Dresden. Die einzelnen Bausteine sind das Fundament, ein Management-Dashboard wie in Hoffenheim ist sozusagen das Dach der Lösung.

Wie sehen Sie die Nachfrage aus der Bundesliga?

Wir sind in engen Gesprächen mit mehreren Bundesligisten und spüren große Nachfrage. Wir rechnen damit, dass in diesem Jahr noch mehrere Sportklubs – nicht nur im Fußball – hinzukommen.

Können Sie beziffern, wie teuer eine Komplettlösung für einen Klub ist?
Einen Preis zu nennen, ist schwierig, da der Preis auch von der Systemgröße abhängt. Derzeit dreht sich noch viel um Research und Optimierung. Außerdem ermitteln wir für jeden Kunden in einem Workshop, welche Systemgröße für ihn optimal ist. Großkunden wie der DFB nutzen d
ie SAP Business Suite powered by SAP HANA. Dagegen könnte die SAP Business One Plattform, eine Software für kleinere Unternehmen, die etwa nur fünf Anwender benötigen, für andere Klubs interessant sein.

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Auf der Cebit stellen Sie das Thema „Sport & Entertainment“ in den Vordergrund. Kommt die Entwicklung aus den USA?

SAP ist ein internationales Unternehmen und wir arbeiten in globalen Teams. Auch diese Idee wurde in einem globalen Team entwickelt. Unsere Erfahrungen aus dem Bau der SAP Arena in Mannheim, aber auch aus der Arbeit mit 1899 Hoffenheim und den San Jose Sharks und anderen internationalen Kunden haben uns bei der Umsetzung unserer Idee geholfen.   

Ist es wichtig, dass auch die Fans bemerken, dass SAP in ihrem Klub präsent ist? Schließlich könnten auch Fußballfans potenzielle SAP-Kunden sein.

Natürlich. Der Fan ist ja auch manchmal ein IT-Entscheider oder er kommt aus dem Geschäftsbereich. Einen solchen Multiplikatoreffekt kann es geben. Der Fan soll es erfahren und auch von den neuen Techniken profitieren, etwa beim Ticketkauf.

Die Klubs können die Ticket-Zweitmarkt-Funktion direkt freischalten. – Fadi Naoum

Sie haben mit dem Zukauf des brandenburgischen Ticketinganbieters Ticket-Web auch auf diesem Gebiet Kompetenz erworben. Bieten Sie auch Lösungen an für den Zweitmarkt, also den Weiterverkauf von Tickets?

Unser Ticketingsystem SAP Event Ticketing enthält auch eine Zweitmarkt-Option, über die sich die Preise überwachen lassen. Die Klubs können die Funktion direkt freischalten, wenn sie wollen, es entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Hat Dietmar Hopp all diese Business-Möglichkeiten schon im Hinterkopf gehabt, als er als Mäzen in Hoffenheim angetreten ist?

Ob es so geplant war, weiß ich nicht. Aber er ist einer der SAP-Väter. Natürlich ist es für ihn wichtig und selbstverständlich, dass in seinen Vereinen und seinen Privatunternehmen auch SAP eingesetzt wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Stefan Merx für JP4

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