Die Bundesliga sucht Ticketpartner

DFL-Chef Andreas Rettig nennt Details zur fairen Ticketbörse: Auch mehrere Dienstleister könnten den Zuschlag für den neuen Zweitmarktplatz bekommen.

Foto: DFL / Frank Rumpenhorst/dpa

Die eigene Ticketbörse ist beschlossene Sache, nun sucht die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach passenden Partnern. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kündigte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig an, dass bis August in einer Ausschreibung die künftigen Betreiber ermittelt werden. „Nicht nur der Preis, sondern auch Kompetenz und Markterfahrung werden bei der Auswahl eine Rolle spielen“, sagte Rettig. „Es ist auch gut denkbar, dass nicht nur ein Anbieter die zentrale Plattform besetzt, sondern zwei oder drei im Verbund den Zuschlag bekommen.“

An der zentralen Ticketbörse, deren Start laut DFL für die Saison 2015/16 vorgesehen ist, sollen die 36 Erst- und Zweitligaklubs freiwillig teilnehmen können. Wer schon jetzt eine eigene Zweitmarktbörse hat, kann sich ab Herbst 2014 von der Internet-Seite bundesliga.de aus verlinken. Teilnehmer müssen sich jedoch den neuen „Fairplay Regeln“ unterwerfen, die die 36 Klubs am Montag ohne Gegenstimme verabschiedet haben. Danach darf der Zweitmarktpreis „maximal dem Originalpreis für Einzeltickets“ entsprechen. Eine Servicegebühr ist auf 15 Prozent pro Bestellung limitiert.„Es ist ein politisches Signal“, sagt Rettig. „Die bezahlbaren Tickets der Bundesliga, und das ist einzigartig in Europa, soll man auch im Zweitmarkt finden.“

Ticketmaster, CTS Eventim und SAP als Kandidaten

In Sondierungsgesprächen klärt die DFL jetzt, wer das Pflichtenheft erfüllen kann und will. Große Ticketing- und IT-Firmen kommen in Frage. So kooperieren einige Klubs, darunter Schalke 04, mit CTS Eventim auch im Zweitmarkt. Die Firma Ticketmaster kann auf Zweitmarktkompetenz in großen Auslandsligen verweisen. Der Softwarekonzern SAP, der auch durch eine DFB-Partnerschaft massiv in den Sportsektor drängt und durch den Kauf der brandenburgischen Firma Ticket-Web Kompetenz erworben hat, gilt ebenfalls als potenzieller Ansprechpartner für die Liga.

Ein Fragezeichen steht hinter jenen Klubs, die mit der Ticketbörse Viagogo kooperieren. Bei einigen dieser Vereine besitzt das in der Schweiz registrierte Unternehmen, dessen Geschäftspraktiken dem DFL-Kodex nicht entsprechen, angeblich noch ein einseitiges Recht zur Vertragsverlängerung. Das berichtet ein mit der Materie vertrauter Experte aus dem DFL-Umfeld.

Nur wer sich verlinkt, muss „Fairplay Regeln“ beachten

1899 Hoffenheim ist aktueller Viagogo-Partner. „Der Vertrag läuft zunächst bis 30. Juni dieses Jahres“, sagte Geschäftsführer Frank Briel dem Handelsblatt. „Wir haben den Fairplay-Regeln zum Ticketing selbstverständlich zugestimmt. In Bezug auf die Ausschreibung einer ligaweiten Ticket-Zweitmarkt-Plattform haben wir uns enthalten. Ob wir künftig eine Inhouse-Lösung, eine dezentrale oder zentrale Plattform eines Partners einsetzen, ist noch nicht klar. Eine Entscheidung drängt aber auch nicht.“ Der scheinbare Widerspruch ist keiner. Denn erst wer sich im DFL-Portal verlinken lässt, unterwirft sich verbindlich dem neuen Kodex.

DFL-Chef Rettig kündigte an, die erhobenen Daten der Verkäufer und vor allem der Käufer nutzen zu wollen, um Missbrauch aufzudecken. Über eine technische Spezifikation solle es den Klubs möglich sein, Karten nur beschränkt an bestimmte Gruppen abzugeben – etwa an Klubmitglieder oder Nachfrager aus bestimmten Postleitzahlgebieten.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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