Go West: Nordamerika lockt die Bundesliga

Auf der Suche nach Wachstumsmärkten hat die Bundesliga die USA entdeckt. Die Bayern legen vor, doch auch andere Klubs hegen Reisepläne.

Mal richtig abschalten vom Fußball. Dort, wo keiner um Autogramme bittet. Weil die Leute nach Football gieren – nicht nach Soccer. Als Pep Guardiola nach seiner Trainerkarriere in Barcelona eine Auszeit nahm, gab es für den Spanier keinen ruhigeren Ort als New York. Der Rest ist Geschichte: Uli Hoeneß, damals Präsident des FC Bayern München, stand 2012 mit einem Vertrag im Appartement am Central Park. Guardiola unterschrieb.

Foto: Adidas

Inkognito durch New York, diese Zeiten sind für Guardiola vorbei. 2014 starten die Bayern ihre US-Mission – mit einem im April in Manhattan eröffneten Büro wollen die Münchener das US-Geschäft ankurbeln. „Wir glauben fest daran, dass Amerika ein Wachstumsmarkt ist“, sagte Bayern-Vorstand Jörg Wacker im Februar beim Spobis-Kongress. In New York seien die drei Abgesandten „am Puls der Zeit“. Als Büroleiter soll der Ex-Telekom-Manager Rudolf Vidal Kontakte knüpfen – auch zu neuen US-Sponsoren.

Lange Jahre wurden die USA als Fußballmarkt belächelt. Plötzlich sieht die Bundesliga genau hier Potenzial, um über transatlantische Medien-, Merchandising- und Sponsoringerlöse weiter zu wachsen. „Die Vereine haben sich auf den zweiten Blick in den Markt verliebt“, sagt Philipp Kupfer, Experte der Sponsoringberatung Repucom. „Was Bekanntheit und Beliebtheit angeht, sind die deutschen Klubs den englischen näher auf den Fersen als in Asien.“

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Zwar rangiert Soccer als TV-Sportart bei den US-Bürgern laut Repucom hinter Football, Baseball, Basketball und Eishockey mit 13 Prozent Interesse nur auf Rang fünf. „Doch immer mehr Jugendliche in den USA spielen Fußball – und die Fußballinteressierten sind eher jung und überproportional einkommensstark“, sagt Kupfer.

Auch weitere Bundesligisten zieht es über den großen Teich. Schalke 04-Marketingvorstand Alexander Jobst nennt die USA als einen „definierten Kernmarkt“ in der Internationalisierungsstrategie. Leverkusens Mediendirektor Meinolf Sprink sagt: „Die USA sind für Bayer 04 und den Bayer-Konzern ein wichtiger Markt. Wir denken intensiv darüber nach, 2015 dort ein Trainingslager samt Freundschaftsspielen abzuhalten.“

Borussia Mönchengladbach prüft die Option, in den USA das kommende Wintertrainingslager zu beziehen. Selbst Aufsteiger 1. FC Köln hegt Ambitionen, im Sommer 2015 für eine Freundschaftsspielreise Fernflüge zu buchen. „Amerika oder Asien, das ist beides möglich“, sagt FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle. Borussia Dortmund eruiere die Lage noch, sagt Marketingchef Carsten Cramer. „Nordamerika ist auch für unseren Partner Puma von Bedeutung.“

Die Chancen, sich als Auslandsliga mit hochklassigem Sport gegen eine eher schwache US-Liga durchzusetzen, stünden gut, sagt Kupfer. Für ihn der „NBA-Effekt – nur rückwärts“: So hat die US-Basketballliga in Deutschland viele Fans, weil die eigene BBL lange geschwächelt hat.

Foto: GEPA / Greg Cooper / Red Bull

Bessere Medienpräsenz soll die US-Strategie der Bundesligisten flankieren: Ein ab 2015 gültiger TV-Vertrag mit 21st Century Fox sorgt für Live-Berichte, wenn die deutschen Spiele zur US-Frühstückszeit starten. 90 Millionen US-Haushalte empfangen den Fox-Sportsender. Der jetzige Partner GolTV aus Florida erreicht nur zwölf bis 15 Millionen Haushalte. Über ihre eigenen Internet-Sender können die Klubs zudem direkt Vereinsfans an sich binden.

Doch die virtuelle Präsenz im neuen Zielmarkt genügt nicht. Trainer Guardiola und sein Team reisen Ende Juli zu Freundschaftsspielen nach Portland und New York. Autogramme schreiben, anfassbar sein, zaubern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Für besondere Aufmerksamkeit soll am 6. August das Kräftemessen mit den „MLS Allstars“ sorgen. Die Auswahl der Major League Soccer hatte in den Jahren zuvor den AS Rom, den FC Chelsea und Manchester United eingeladen. Der letzte US-Trip der Bayern liegt zehn Jahre zurück.

Ganz besondere Schützenhilfe könnte den Bayern ihr Ex-Trainer geben: Jürgen Klinsmann, seit 2011 Coach der US-Nationalelf. Wenn zur WM Klinsmanns Truppe dem deutschen Nationalteam in der Vorrunde ein Bein stellt, ist eines gewiss: erhöhtes Soccer-Fieber in den USA.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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